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Wiener Wind

Ich habe einen neuen Arbeitsplatz und zur Erreichung desselben das Fahrrad als neues Verkehrsmittel auserkoren. 15 Minuten von Tür zu Tür, knappe 10 km sechs Mal die Woche. Mein ökologischer Fußabdruck schrumpft schlagartig auf Schuhgröße 23, ich trainiere nebenbei und spare Geld, das ich sonst den Wiener Linien in den Rachen werfen müsste. Eine Wien-Wien-Situation, wie ein weiser Mann einmal gesagt hat. Aber leider ist es mehr eine Wind-Wind-Situation.

Jetzt muss man sich als Radfahrer ganz grundsätzlich mit Wind abfinden. Je schneller man fährt, desto stärker der Wind, gegen die Physik kann man nix machen. Zum Fahrtwind kommt in Wien aber noch der Wiener Wind. Der ist im Prinzip gleich wie der Wind anderswo auch, mit einem feinen Unterschied. Er kommt immer von vorne.

Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Soweit ich die Physik verstanden habe, müsste der Wind, wenn er von A nach B weht, eine eindeutig bestimmbare Richtung verfolgen. Man müsste also die dem Wind zu- und dem Wind abgewandte Seite bestimmen können und sich entsprechend verhalten. Dem Wiener Wind scheint die Physik allerdings Wurscht zu sein. Ich fahre nach A, der Wind kommt von vorne. Gut, denk ich mir, dann dreh ich um und fahre nach B und was macht der Wind? Er kommt von vorne. Ich sehe Regenschirme und Zeitungen an mir vorüberziehen, Fahnen stehen stramm, kleine Hunde verbeißen sich verzweifelt in Brückengeländer. Und alle tun das in die andere Richtung.

Entweder der Wind hat was gegen mich persönlich oder die Wiener Luft ist einfach dicker als anderswo und man radelt wie durch unsichtbares Wasser. So oder so – mir bleibt nur kindliches Staunen. Mit geschlossenem Mund, ich muss möglichst wenig Widerstand bieten.

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Straffrei pupsen

Da ist sie jetzt also. Sie hat einen tollen Namen (wir haben es doch noch geschafft), sie hat ausreichend Finger und Zehen, große Augen, eine große Stimme und einen kleinen Darm. Und gerade die Zusammenarbeit der Letzteren macht unser Leben derzeit sehr … nennen wir es: interessant.

Es ist schon faszinierend, wie sehr das Wohlbefinden einer ganzen Sippschaft von der Verdauung einer Sechs-Kilo-Person abhängt. Kann sie pupsen, ist alles gut. Kann sie es nicht, ist gar nichts gut. Sie kann dann nicht schlafen. Wenn sie nicht schlafen kann, können wir es auch nicht. Wenn wir nicht schlafen können, sind wir grantig. Wenn wir grantig sind, sind wir am Telefon unfreundlich zu unseren Familien. Wenn wir unsere Familien am Telefon anschnauzen, sind die grantig und schnauzen ihrerseits Freunde, Kunden und wildfremde Menschen an. Und alles nur, weil der Zwerg nicht pupst.

Wir haben schon alles probiert. Die einen Tropfen, die anderen Tropfen, Zäpfchen, Massage mit dem einen Öl, Massage mit dem anderen Öl, Salbe, Radfahren, Fliegerfahren, Autofahren, zur Sicherheit noch ein zweites Bäuerchen machen, Kirschkernkissen, sanft schaukeln, heftiger schaukeln, Fencheltee. Wenn noch jemand einen guten Tipp hat – wir haben ihn sicher schon probiert.

Wenn es dann doch klappt, knallen die Korken. Dann wird gelacht, geknuddelt, gequietscht und gesungen. Und zwar so lange, bis innerhalb eines Sekundenbruchteils wieder alles schlecht ist. Weil das Bauchi wieder weh tut.

Einer lässt einen fahren und alle freuen sich. Eigentlich schade, dass das später aufhört.

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