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Endlich Rosa

Es ist soweit. Mein schlimmster Alptraum ist wahr. Ich habe lange dagegen angekämpft, aber doch verloren. Das bisher schönste Kind der Welt ist rosa geworden. Wir haben inzwischen rosa Pyjamas, T-Shirts, Pullis, Strumpfhosen und Socken. Dazu sind beide Puppen ganz in rosa gekleidet, eine hat eine rosa Bademantel, die andere sogar knallrosa Haare.

Da endet der Wahnsinn aber noch nicht. Gehen wir zum Bipa, bleibt das Kind todsicher vor einem rosa Regal stehen, in dem Kinder-Kosmetika und Schminke stehen. Ja, so was gibt es wirklich. Gehen wir zum Interspar, steuert sie die Abteilung mit den kleinen roas Ponys und Einhörnern an. An Halloween durfte sie sich als Fee verkleiden, das einzig schreckliche daran war, dass die Fee ganz rosa war. Na gut, es war schon auch ein wenig süß, aber muss man so einen rosa Tüllrock wirklich den ganzen Tag inklusive Einkaufen und Mittagsschlaferl tragen? Eben.

Wie es scheint, ist aus dem Kind nun doch ein richtiges Mädchen geworden. Was rosa ist, muss sie haben. Mit einer Einschränkung. Sie hat uns letztens erklärt, dass der Osterhase doch nicht kommen muss, um die Schnuller zu holen. Dafür pfeift sie sogar auf die rosa Gitarre.

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Ostern im Oktober

Wir müssen den Schnuller loswerden. Also nicht wir, sondern das schönste Kind der Welt. Dabei hilft uns der Osterhase. Auch, wenn er im Oktober für uns eine Extra-Runde drehen muss.

Die Zeit ist reif, das Kind groß genug, die Logopädin rät uns dringend dazu, das Saugding muss weg. Finden wir – das schönste Kind der Welt sieht das natürlich nicht ganz so eng. Da könnte es immer noch „eine Minute“ länger dauern, bis sie den Schnuller abgibt, da brauchen wir immer noch einen „zweiten Schnuller“, zur Sicherheit quasi, falls der Papa den ersten doch einkassiert. Aber zum Glück gibt es den Osterhasen.

Der Osterhase hat nämlich dem Freund F. ein Trampolin gebracht, im Austausch für alle Schnuller. Das hat Eindruck hinterlassen. Jeden zweiten Tag höre ich die Geschichte, immer wird darauf Wert gelegt, dass der Osterhase ein richtig cooler Kerl zu sein scheint. Schnullerfee? Vergiss es. Nikolaus? Sicher nicht. Der Hase muss es sein. Unser Problem dabei ist das Timing. Bis der Hase das nächste mal kommt, vergehen noch Monate!

Da kommt es sehr gelegen, dass der Papa die Nummer vom Osterhasen im Handy gespeichert hat. Das Kind hat also letztens mit ihm telefoniert, hat sein Anliegen erklärt und auch gleich eine Gegenleistung vereinbart, eine rosarote Gitarre soll es sein, und bitte recht bald.

Zum Glück hat das Töchterchen noch keine Ahnung vom Terminplan des Osterhasen. Dann kommt im nächsten Mai eben das Pfingstkaninchen.

PS: Vielen Dank an den Hasen! Wir melden uns sicher bald wieder.

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Moderne Zeiten

Wir haben uns schon oft über unseren Nachwuchs gewundert, jetzt wundern wir uns digital. Das modernste Kind der Welt bedient die elterlichen Smartphones, als hätte es nie was anderes getan. Genau genommen hat es auch nie was anderes getan, von Geburt an lag mindestens eins dieser Dinger in der Wohnung herum. Und während meine hochverehrte Frau Mutter ihren Touchscreen immer wieder mal verzweifelt nach einem Knopf absucht, den sie drücken könnte, ist es für die Zweijährige völlig selbstverständlich, dass sie die Tastensperre aktiviert, wenn sie das Handy wieder abgibt.

Wo sind die Zeiten hin, in denen die Kinder ins Reich der Phantasie abgetaucht sind? Wohin die goldenen Tage, in denen wir – um einen Freund zu zitieren – zum Spielen nichts weiter hatten als einen Stock und einen toten Frosch? Und trotzdem glücklich waren? Nun, liebe Leser, die sind Gott sei Dank vorbei. Ein toter Frosch ist nur dann cool, wenn man ihn mit der Handykamera scannen, in eine App laden und mit dem Zeigefinger sezieren kann. Das sollte mal wer programmieren!

Und dennoch – die schöne neue Welt wird mit der guten alten Phantasie nie ganz mithalten können. Glauben Sie nicht? Hier mein Beweis: Am Strand von Grado spielen einige deutsche Urlauberkinder „Ritter“, sie wollen einen Drachen fangen. Also laufen sie am Strand umher, um einen zu suchen. Jetzt sind Drachen am Strand von Grado aber schon seit letzter Woche aus, also hat ein deutsches Urlauberkind eine geniale Idee und sagt zu den anderen: „Spielen wir, dass das Internet überall ist und wir uns online einfach einen Drachen bestellen!“

Wahre Geschichte. Kinder bleiben Kinder. Ganz egal, wie 0 und 1 die Welt wird.

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Land of the Free

Deutsch ist ja ganz praktisch, Fremdsprachen schaden aber auch nicht. Das schönste Kind der Welt hat in den letzten Wochen ein wenig an seinem Englisch gefeilt.

Schuld daran ist einerseits der Kindergarten, in dem es eine Native Speakerin gibt. Sie spricht mit den Kindern Englisch, in der Hoffnung, dass die Kinder auf Englisch antworten. Unsere Kleine sang eines Tages „Twinkle, twinkle, little Star, habba habba hatta ta“, zählte von „fourteen“ bis „eighteen“ (allerdings ohne die lästigen „fifteen“, „sixteen“ und „seventeen“) und variierte ihr beliebtes „nein“ mit „no“.

Andererseits hat das englischste Kind der Welt auch während seines jüngsten USA-Aufenthaltes das Fremde aufgesogen wie ein Schwamm. Sie tanzt jetzt zu „If you’re happy and you know it“ und verabschiedet sich mit „Bye bye“. Und während sie noch in NYC war, zeigte sie mir per FaceTime das Haus ihrer Gastgeber, stellte mir die amerikanische Katze vor und beendete das Gespräch dann mit einem herzhaften „F***!“

Manchmal sind wir richtig stolz. Manchmal nicht so.

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Zu spät

Morgen ist der „Urlaub“ vorbei. „Urlaub“ schreib ich deshalb mit „“, weil ich eigentlich daheim bin und arbeite, aber eben ohne die beste Familie der Welt, die ihrerseits auf Urlaub ist. Ich dachte, ich hätte ebenfalls Urlaub: ausschlafen, fernsehen, ungesunde Sachen essen, solche Sachen eben. Ich hab mich geirrt.

Zuerst standen zwei Tage Nixtun auf dem Programm, das war allerdings recht bald recht fad. Dann habe ich einige Dinge in der Wohnung erledigt, aber nur die Kleinigkeiten. Für die großen Sachen hatte ich noch sooo viel Zeit, das musste ich ja nicht unbedingt jetzt sofort machen. Einmal entschied ich mich spontan für einen Ausflug, dann half ich im schwiegerelterlichen Geschäft aus, dann kamen Freunde zu Besuch, dann bügelte ich, dann musste ich die Buchhaltung machen, dann war was Gutes im Fernsehen und dann… waren die zwei Wochen auf einmal um.

Jetzt packt mich die Panik. Bild nicht aufgehängt, Küche nicht aufgeräumt, Geschenk fürs Kind nicht eingepackt, Kuchen nicht gebacken, nicht ausgeschlafen, nicht eingekauft, Bett nicht überzogen, Wäsche nicht gewaschen, Lampen nicht montiert, zwei Pflanzen auf der Terasse sterben lassen.

Ich werde die Aufmerksamkeit der besten Frau der Welt einfach darauf lenken, wie sehr sie liebe und wie arg ich sie vermisst habe. Vielleicht lenkt sie das ab. Für fünf Minuten.

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Doch kein Urlaub

Ich wache um 11:00 Uhr auf. Stille. Kein Geschrei, kein Fuß im Gesicht, niemand will, dass ich jetzt sofort irgendwohin komme, der Esstisch ertrinkt nicht in einer Frühstücks-Milch-und-Müsli-Pfütze, kein Lego unter meinen Füßen. Irgendwas stimmt nicht. Da fällt mir ein: Mutter und Kind sind verreist. Ich bin allein. Was jetzt?

Zu Beginn hat, das muss ich gestehen, schon auch ein wenig Freude mitgespielt. Urlaub für Mutter und Kind bedeutet auch ein bisschen Urlaub für mich. Ich hab mir eine Liste geschrieben mit all den Dingen, die ich immer schon erledigen wollte und für die ich jetzt endlich die Zeit habe.

Es gibt einerseits Dinge auf die ich mich richtig gefreut habe, so wie tagsüber Fernsehen. Ein Traum! Einfach so auf der Couch lümmeln und sich berieseln lassen. Oder diesen einen Film ordern, den ich noch immer nicht geschafft habe. Und dabei ganz ungeniert eine Tüte Chips wegputzen – ohne zu teilen! Oder ein Eis! Oder beides! Andere Dinge müssen einfach erledigt werden. Die neue Wohnung braucht einen neuen Duschvorhang, einige neue Lampen, mehr Ordnung in praktisch allen Regalen, mehr Sicherheits-Gitter auf der Treppe, und und und…

Die ersten zwei Tage hab ich mit den angenehmen Dingen verbracht und Folgendes festgestellt: Im Fernsehen läuft nur Mist. Ich kann mich nicht erinnern, welcher Film das war, den ich unbedingt sehen wollte. Und von Chips und Eis wird mir schlecht. Also hab ich beschlossen, mich den anderen Aufgaben zu widmen, konnte aber die nötige Motivation nicht zusammenkratzen. Immerhin hab ich noch sooo lange Zeit, bis die Familie wiederkehrt.

Ich werde mich also jetzt mal zwei Wochen langweilen und dann sehr plötzlich sehr viel Stress kriegen, weil die Zeit knapp wird. Urlaub schaut anders.

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Wunsch und Wirklichkeit

Was klingt wie ein Titel von Jane Austen ist in Wahrheit das Dilemma einer knapp Zweijährigen. Das schönste Kind der Welt versucht gerade, sich die Welt, in die es geboren wurde, so hinzubiegen, dass sie einigermaßen passt. Manches geht, anderes weniger. Zum Beispiel die Hose.

Wir wissen nicht, ob es der nahende Sommer ist und das damit verbundene warme Wetter. Vielleicht kaufen wir auch einfach nur uncooles Zeug und beleidigen damit den kleinen aber exquisiten Geschmack. So oder so, am liebsten würde der Nachwuchs derzeit ohne Hose herumlaufen. Und zwar nicht nur zu Hause, sondern grundsätzlich. Was als nettes Geplänkel auf dem Wickeltisch beginnt, endet meist in einer handfesten Raunzerei im Vorzimmer, wenn außer Hose und Schuhen nichts mehr bleibt, was es anzuziehen gäbe. „Ohne Hose!“ Sicher wäre das manchmal schön, es wird sich aber wohl nicht durchsetzen.

Andere Wünsche sind nicht nur nachvollzieh-, sondern auch erfüllbar. „Schokolade“, „großer Löffel“ oder „Spielplatz“, etwa. Unlängst schoss sie etwas übers Ziel hinaus. Beim Frühstück hieß es plötzlich „Müsli sofort!“ Die Wirklichkeit sah enttäuschend anders aus.

Der jüngst geäußerte Wunsch hat uns allerdings ein wenig überrascht. Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen sollen. Erstens würde die Erfüllung einige Zeit in Anspruch nehmen, zweitens können wir davon ausgehen, dass uns ebendiese Erfüllung irgendwann mal, bei passender Gelegenheit, zum Vorwurf gemacht wird. Als Einzelkind und Mittelpunkt der Welt ist es nur schwer vorstellbar, wie sehr gerade dieser Wunsch ein Leben verändern kann: „Mein Bruder, meine Schwester“.

Schaumer mal, wünschen kann man sich zum Glück ja alles.

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Erwachsen auf der Schaukel

Was macht man als Erwachsener bei der Schaukel? Ich hab bisher gedacht, man solle sich kümmern, schlichten, eingreifen, wenn Gefahr droht. Es gibt aber auch Erwachsene, die sich wie Kinder benehmen. Wie ganz blöde Kinder.

Da war etwa diese Frau, die ihre Enkelin geschlagene 25 Minuten am Stück schaukeln ließ – ungeachtet der 4-5 anderen Kinder, die schon eine Schlange gebildet hatten, um auch endlich mal dran zu kommen. Ihr Argument: „Die Kleine will nicht runter.“ Bravo, Oma, gut gemacht.

Dann war da der Vater, der sich in eine Netzschaukel gelegt hat, um mal durchzuschnaufen. So weit, so gut. Nach einigen Minuten Warten fragte ich ihn, ob es möglich wäre, dass meine 1 1/2-jährige Tochter mal drankommen könnte. Seine Reaktion: Erst einmal 5 Sekunden gar nicht reagieren, dann ein sehr angestrengter Blick, ein Augenrollen, ein Seufzer und ein ganz großes Schnoferl. Weil er für ein Kleinkind Platz machen musste.

Oder der Vater, der uns abblitzen ließ, weil er früher schon „seeehr lange“ gewartet hat, als meine Tochter geschaukelt hat. Wo er denn gewartet habe, will ich wissen, ich habe ihn nirgendwo in der Nähe gesehen. Da war er auch nicht, sondern auf der Bank, die 20 Meter „neben“ Schaukel steht.

Liebe Erwachsene. Was ich in Euch Wahrheit gerne sagen würde, schickt sich nicht. Deswegen sag ich es so: werdet erwachsen.

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Hosenrolle

Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass die Familie auch in einen bisher sehr gut gehüteten, beinahe intimen Bereich meiner Privatsphäre eingedrungen ist – in meine Hosentaschen.

Hätte man mich vor 20 Jahren in meiner schönen Heimatstadt einer Leibesvisitation unterzogen, die Cops vom  Wachzimmer Graz-Andritz hätten Folgendes gefunden: Einen Schlüsselbund. (Vier Schlüssel. Kein Schnickschnack.) Eine Geldbörse. (Bares in überschaubaren Mengen, Bankomatkarte, ein Zettel mit wichtigen Telefonnummern. Kein Schnickschnack.) Zwei Taschentücher (Sauber.) Das wars auch schon. Kein Schnickschnack. Meine Hosentaschen waren ebenso überschaubar wie mein Leben. Schauen wir uns die Gegenwart an.

Unlängst kam ich in Begleitung des schönsten Kindes der Welt vom Park nach Hause und fand: Mein Handy. Meinen Schlüsselbund. (Wohnung, Auto, Fahrrad, Kinderwagen, Oma, Keller, und der Chip für den automatischen Türöffner im Kindergarten.) Geldbörse. (Karten für: Bipa, DM, Lutz, Billa und Leiner, Mastercard, Visitenkarten, DM-Rechnungen „zum Nachtragen im Bonuspass“, Erinnerung an den nächsten Termin beim Kinderarzt. Dafür kein Bargeld mehr.) Handschuhe des Kindes. Schnullerkette des Kindes. Schnuller. Chip für das Spar-Einkaufswagerl. Und eine Packung Taschentücher.

Das wäre an sich alles nicht so schlimm. Mich stört nur der Umstand, dass es neben den sauberen Taschentüchern immer auch weniger saubere gibt. Viel weniger sauber. Könnte man Kinder ohne Nasen erfinden? Oder zumindest den Winter abschaffen?

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Hallo!

Ich rufe zuhause an.
„Hallo Schatz.“
     „HALLO PAPA!“
„Ah, hallo Lilli! Und hallo Schatz.“
     „Hi. Wie geht’s dir?“
„Danke, und…“
     „HALLO PAPA!“
„Hallo Lilli! Ja, der Papa ist da.“
     „HALLO PAPA! – Ja, immer noch der Papa. Wie war die… – PAPA WOW! – Sie zeigt dir das Holzpferd.“
„So ein schönes Holzpferd. Was wolltest du sagen?“
     „Wie die Vorstellung war.“
„Alles…“
     „PAPA WOW! – Sie zeigt dir ihr T-Shirt.“
„So ein schönes T-Shirt! War OK, danke. Deine Vorlesung?“
     „War… – PAPA WOW! – Sie zeigt Dir ihre Hausschuhe.“
„Sehr schöne Schuhe. Was hast du denn noch alles an?“
     „WOW! – Sie zeigt dir ihre Stumpfhose. – WOW! – Jetzt wieder das T-Shirt. – WOW! – Und das Pferd.“
„Sehr schön, Lilli.“
     „HALLO PAPA! – So, meine Süße. Jetzt darf einmal die Mama mit dem Papa reden.“
„Schönen Abend noch, Mäuschen!“
     „Gib mir jetzt das Handy – AAAAAAA!!!!!!!!!“
„Lilli, die Mama… “
     „AAAAAAA!!!!“
„…mag auch mit dem Papa reden!“
     „AAAAAAA!!!!!!! – He! Stehenbleiben!“
„Lilli, gib das Telefon jetzt der Mama, bitte.“
     „HAHAHA!“
„Nein, das ist jetzt nicht lustig, die Mama will telefonieren!“
     „Danke, so isses bra… AAAAA!!! – tut tut tut.“
Schatz, falls Du das hier liest: Alles gut. Komme bald.

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