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Zu spät

Morgen ist der „Urlaub“ vorbei. „Urlaub“ schreib ich deshalb mit „“, weil ich eigentlich daheim bin und arbeite, aber eben ohne die beste Familie der Welt, die ihrerseits auf Urlaub ist. Ich dachte, ich hätte ebenfalls Urlaub: ausschlafen, fernsehen, ungesunde Sachen essen, solche Sachen eben. Ich hab mich geirrt.

Zuerst standen zwei Tage Nixtun auf dem Programm, das war allerdings recht bald recht fad. Dann habe ich einige Dinge in der Wohnung erledigt, aber nur die Kleinigkeiten. Für die großen Sachen hatte ich noch sooo viel Zeit, das musste ich ja nicht unbedingt jetzt sofort machen. Einmal entschied ich mich spontan für einen Ausflug, dann half ich im schwiegerelterlichen Geschäft aus, dann kamen Freunde zu Besuch, dann bügelte ich, dann musste ich die Buchhaltung machen, dann war was Gutes im Fernsehen und dann… waren die zwei Wochen auf einmal um.

Jetzt packt mich die Panik. Bild nicht aufgehängt, Küche nicht aufgeräumt, Geschenk fürs Kind nicht eingepackt, Kuchen nicht gebacken, nicht ausgeschlafen, nicht eingekauft, Bett nicht überzogen, Wäsche nicht gewaschen, Lampen nicht montiert, zwei Pflanzen auf der Terasse sterben lassen.

Ich werde die Aufmerksamkeit der besten Frau der Welt einfach darauf lenken, wie sehr sie liebe und wie arg ich sie vermisst habe. Vielleicht lenkt sie das ab. Für fünf Minuten.

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Doch kein Urlaub

Ich wache um 11:00 Uhr auf. Stille. Kein Geschrei, kein Fuß im Gesicht, niemand will, dass ich jetzt sofort irgendwohin komme, der Esstisch ertrinkt nicht in einer Frühstücks-Milch-und-Müsli-Pfütze, kein Lego unter meinen Füßen. Irgendwas stimmt nicht. Da fällt mir ein: Mutter und Kind sind verreist. Ich bin allein. Was jetzt?

Zu Beginn hat, das muss ich gestehen, schon auch ein wenig Freude mitgespielt. Urlaub für Mutter und Kind bedeutet auch ein bisschen Urlaub für mich. Ich hab mir eine Liste geschrieben mit all den Dingen, die ich immer schon erledigen wollte und für die ich jetzt endlich die Zeit habe.

Es gibt einerseits Dinge auf die ich mich richtig gefreut habe, so wie tagsüber Fernsehen. Ein Traum! Einfach so auf der Couch lümmeln und sich berieseln lassen. Oder diesen einen Film ordern, den ich noch immer nicht geschafft habe. Und dabei ganz ungeniert eine Tüte Chips wegputzen – ohne zu teilen! Oder ein Eis! Oder beides! Andere Dinge müssen einfach erledigt werden. Die neue Wohnung braucht einen neuen Duschvorhang, einige neue Lampen, mehr Ordnung in praktisch allen Regalen, mehr Sicherheits-Gitter auf der Treppe, und und und…

Die ersten zwei Tage hab ich mit den angenehmen Dingen verbracht und Folgendes festgestellt: Im Fernsehen läuft nur Mist. Ich kann mich nicht erinnern, welcher Film das war, den ich unbedingt sehen wollte. Und von Chips und Eis wird mir schlecht. Also hab ich beschlossen, mich den anderen Aufgaben zu widmen, konnte aber die nötige Motivation nicht zusammenkratzen. Immerhin hab ich noch sooo lange Zeit, bis die Familie wiederkehrt.

Ich werde mich also jetzt mal zwei Wochen langweilen und dann sehr plötzlich sehr viel Stress kriegen, weil die Zeit knapp wird. Urlaub schaut anders.

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