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Immer nur Passagier

Beim Spielen muss es immer einen geben, der sagt, was jetzt läuft, der entscheidet, ob der Sessel jetzt ein Motorrad oder eine Rakete ist, der weiß, ob hinter dem nächsten Busch der Mars ist oder das Wohnzimmer. Es muss einen Bestimmer geben. Ich bin das nie.

Das war ich schon früher nicht. Als kleiner Bruder eines großen Bruders war ich Befehlsempfänger. Wenn er Lego gebaut hat, hab ich die benötigten Steine rausgesucht. Wenn er heimgewerkt hat, hab ich das Maßband gehalten. Und wenn er im Wohnzimmer aus Tischen, Stühlen und Decken ein echtes Schiff gebaut hat und als Kapitän dem Ozean und sämtlichen Stürmen getrotzt hat, dann war ich – der Passagier. Was macht ein Passagier auf einem Schiff, das weder einen Pool, noch ein Casino, noch eine Bar hat? Er schaut. Und bis ich endlich draufkam, dass das ein blöder Job ist, schaute ich viel.

Heute bin ich erwachsen, ernähre eine Familie und zahle viele wichtige Versicherungen. Nur bestimmen darf ich immer noch nicht. Wenn das schönste Kind der Welt Duplo baut, such ich die gewünschten Steine raus. Wenn das Kind in der Kuschelecke Weihnachtslieder singt, darf ich daneben sitzen und zuhören. Und wenn Einkaufen gespielt wird, dann kauft die Mama ein. Und ich darf in der Schlange stehen und warten.

Zum Glück kommt bald die Ablöse.

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Erwachsen auf der Schaukel

Was macht man als Erwachsener bei der Schaukel? Ich hab bisher gedacht, man solle sich kümmern, schlichten, eingreifen, wenn Gefahr droht. Es gibt aber auch Erwachsene, die sich wie Kinder benehmen. Wie ganz blöde Kinder.

Da war etwa diese Frau, die ihre Enkelin geschlagene 25 Minuten am Stück schaukeln ließ – ungeachtet der 4-5 anderen Kinder, die schon eine Schlange gebildet hatten, um auch endlich mal dran zu kommen. Ihr Argument: „Die Kleine will nicht runter.“ Bravo, Oma, gut gemacht.

Dann war da der Vater, der sich in eine Netzschaukel gelegt hat, um mal durchzuschnaufen. So weit, so gut. Nach einigen Minuten Warten fragte ich ihn, ob es möglich wäre, dass meine 1 1/2-jährige Tochter mal drankommen könnte. Seine Reaktion: Erst einmal 5 Sekunden gar nicht reagieren, dann ein sehr angestrengter Blick, ein Augenrollen, ein Seufzer und ein ganz großes Schnoferl. Weil er für ein Kleinkind Platz machen musste.

Oder der Vater, der uns abblitzen ließ, weil er früher schon „seeehr lange“ gewartet hat, als meine Tochter geschaukelt hat. Wo er denn gewartet habe, will ich wissen, ich habe ihn nirgendwo in der Nähe gesehen. Da war er auch nicht, sondern auf der Bank, die 20 Meter „neben“ Schaukel steht.

Liebe Erwachsene. Was ich in Euch Wahrheit gerne sagen würde, schickt sich nicht. Deswegen sag ich es so: werdet erwachsen.

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