Schlagwort-Archive: nein

Immer so negativ II

Ich habe letztens über das Zauberwort „nein“ geschrieben. Am Wochenende hat das negativste Kind der Welt mal wirklich richtig ernsthaft ohne Spaß ausprobiert, wie weit man damit kommt.

Das Kind bestellte eine Haube, angeblich war es in der Wohnung kalt. Man reichte das Kleidungsstück, nach einer Minute wars in der Wohnung wieder warm, also wurde die Haube vom Kopf gerissen und an Ort und Stelle zu Boden geworfen.

„Heb bitte die Haube auf.“ – „Nein.“ – „Bitte.“ – „Nein.“ – „Jetzt.“ – „Nein.“ – „Komm schon Schätzchen, heb die Haube auf.“ – „Nein.“ Nach fünf Minuten beschloss ich, dass ausnahmsweise einmal ich gewinnen wollte. „Gut, dann setzt du dich jetzt da auf die Couch, und wenn du die Haube nicht aufhebst, dann bleibst du da sitzen.“ Sie saß. Geduldig. Dann weniger geduldig. Immer wieder versuchte ich es. „Magst jetzt die Haube aufheben?“ – „Nein.“ Sie spielte mit ihren Fingern, sie sang Lieder, die keiner außer ihr kennt. Sie turnte auf den Pölstern, sie lag am Rücken und raunzte. Sie wollte aufstehen. „Heben wir die Haube auf?“ – „Nein“, und stieg freiwillig wieder zurück auf die Couch. Die Haube? Auf keinen Fall.

Ich versuchte einen ehrlichen Kompromiss. Ich hob das Kind auf, trug sie quer durchs Wohnzimmer zur Haube und bat sie, einfach nur zuzugreifen. Dann überraschte sie mich wirklich. Sie legte sich neben der Haube auf den Boden und berührte das Corpus Delicti mit den Fingerspitzen. „Und jetzt gib mir die Haube!“ – „Nein“. Sie blieb hart. Ich auch. Nach einer knappen Stunde schlief das sturste Kind der Welt auf der Couch ein. Die Haube lag immer noch am Boden.

Zwei Stunden später, nach dem Aufwachen. „Süße, die Haube liegt noch da, hebst die bitte auf?“ Sie tut es mit einem Lächeln. Kann mir das mal wer erklären?

Advertisements
Getaggt mit , , , , , ,

Immer so negativ

Das schönste Kind der Welt weiß was es will. Eigentlich weiß es nicht was es will, es weiß, was es nicht will. Nämlich alles. Also nichts. Klingt komplizierter als es ist. Einige Beispiele.

„Komm wickeln.“ – „Nein.“
„Komm Hose anziehen.“ – „Nein.“
„Komm ins Bad.“ – „Nein.“
„Komm…“ – „Nein!“
„Magst Du noch Tee?“ – „Nein.“
„Heut gibt’s Müsli!“ – „Nein.“
„Zieh bitte das Leiberl an.“ – „Nein.“
„So, jetzt gehen wir Zähneputzen.“ – „Nein.“
„Spielen wir das Puzzle.“ – „Nein.“
„Krieg ich ein Bussi?“ – „Nein.“
„Ui, der Tiger kocht jetzt eine Suppe für uns.“ – „Nein.“
„Setz Dich bitte in das Wagerl, dann sind wir schneller.“ – „Nein.“
„Schuhe brauchst Du noch!“ – „Nein.“ – „Ohne Schuhe kannst Du nicht in den Kindergarten.“ – „Nein.“ – „Willst du zuhause bleiben?“ – „Nein.“ – „Dann musst du Schuhe anziehen.“ – „Nein.“ – „Also doch zuhause?“ – „Nein.“
„Sag einmal nein.“ – „Nein.“
Reingelegt.

Getaggt mit , , , , ,

Jedem das Seine

Das schönste Kind der Welt verteilt seine Zuneigung neuerdings in genau abgemessenen, oft recht kleinen, Dosen. Während früher am besten alle an einem Fleck dasselbe gespielt haben und es gar nicht eng genug sein konnte, heißt es jetzt: „Papa, nein! Mama, da.“ Widerstand ist zwecklos.

Das tut einerseits ein schon ein bissi weh, erleichtert aber andererseits die Tagesplanung. Aufstehen und Frühstück gehört mir. Kindergarten bringen und abholen ebenso. Nach dem Schlaferl Aufwachen am liebsten mit Mama, für den Park ist Papa dann gut genug. Die Jause dort bitte von Antonias Mama, Rutschen und Schaukeln mit Papa, Hoppa und Kuscheln nuuuuuur mit Mama. Wenn ich abends mal zu Hause bin, ist dieser mehr oder weniger fair verteilt: Baden Mama, Zähneputzen Papa, Buch anschauen beide, vor dem Schlafengehen muss ich dann aber raus.

Essen mit Löffel – Papa. Essen mit Gabel – Mama. Kinderwagerl schieben – Papa. (Sie geht schon beim Anschnallen auf Nummer sicher: „Mama, nein. Mama, nein.“) Handschuhe anziehen – Papa. Haare kämmen und Puzzles legen – Mama.

Wir spielen brav mit – bis auf das eine Mal: Da hat die kleine Tyrannin darauf bestanden, dass derjenige, der sie auf Händen trägt, auch noch den leeren Kinderwagen schiebt. Aber sonst geht’s uns gut.

Getaggt mit , , , , , ,