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Land of the Free

Deutsch ist ja ganz praktisch, Fremdsprachen schaden aber auch nicht. Das schönste Kind der Welt hat in den letzten Wochen ein wenig an seinem Englisch gefeilt.

Schuld daran ist einerseits der Kindergarten, in dem es eine Native Speakerin gibt. Sie spricht mit den Kindern Englisch, in der Hoffnung, dass die Kinder auf Englisch antworten. Unsere Kleine sang eines Tages „Twinkle, twinkle, little Star, habba habba hatta ta“, zählte von „fourteen“ bis „eighteen“ (allerdings ohne die lästigen „fifteen“, „sixteen“ und „seventeen“) und variierte ihr beliebtes „nein“ mit „no“.

Andererseits hat das englischste Kind der Welt auch während seines jüngsten USA-Aufenthaltes das Fremde aufgesogen wie ein Schwamm. Sie tanzt jetzt zu „If you’re happy and you know it“ und verabschiedet sich mit „Bye bye“. Und während sie noch in NYC war, zeigte sie mir per FaceTime das Haus ihrer Gastgeber, stellte mir die amerikanische Katze vor und beendete das Gespräch dann mit einem herzhaften „F***!“

Manchmal sind wir richtig stolz. Manchmal nicht so.

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Zu spät

Morgen ist der „Urlaub“ vorbei. „Urlaub“ schreib ich deshalb mit „“, weil ich eigentlich daheim bin und arbeite, aber eben ohne die beste Familie der Welt, die ihrerseits auf Urlaub ist. Ich dachte, ich hätte ebenfalls Urlaub: ausschlafen, fernsehen, ungesunde Sachen essen, solche Sachen eben. Ich hab mich geirrt.

Zuerst standen zwei Tage Nixtun auf dem Programm, das war allerdings recht bald recht fad. Dann habe ich einige Dinge in der Wohnung erledigt, aber nur die Kleinigkeiten. Für die großen Sachen hatte ich noch sooo viel Zeit, das musste ich ja nicht unbedingt jetzt sofort machen. Einmal entschied ich mich spontan für einen Ausflug, dann half ich im schwiegerelterlichen Geschäft aus, dann kamen Freunde zu Besuch, dann bügelte ich, dann musste ich die Buchhaltung machen, dann war was Gutes im Fernsehen und dann… waren die zwei Wochen auf einmal um.

Jetzt packt mich die Panik. Bild nicht aufgehängt, Küche nicht aufgeräumt, Geschenk fürs Kind nicht eingepackt, Kuchen nicht gebacken, nicht ausgeschlafen, nicht eingekauft, Bett nicht überzogen, Wäsche nicht gewaschen, Lampen nicht montiert, zwei Pflanzen auf der Terasse sterben lassen.

Ich werde die Aufmerksamkeit der besten Frau der Welt einfach darauf lenken, wie sehr sie liebe und wie arg ich sie vermisst habe. Vielleicht lenkt sie das ab. Für fünf Minuten.

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Doch kein Urlaub

Ich wache um 11:00 Uhr auf. Stille. Kein Geschrei, kein Fuß im Gesicht, niemand will, dass ich jetzt sofort irgendwohin komme, der Esstisch ertrinkt nicht in einer Frühstücks-Milch-und-Müsli-Pfütze, kein Lego unter meinen Füßen. Irgendwas stimmt nicht. Da fällt mir ein: Mutter und Kind sind verreist. Ich bin allein. Was jetzt?

Zu Beginn hat, das muss ich gestehen, schon auch ein wenig Freude mitgespielt. Urlaub für Mutter und Kind bedeutet auch ein bisschen Urlaub für mich. Ich hab mir eine Liste geschrieben mit all den Dingen, die ich immer schon erledigen wollte und für die ich jetzt endlich die Zeit habe.

Es gibt einerseits Dinge auf die ich mich richtig gefreut habe, so wie tagsüber Fernsehen. Ein Traum! Einfach so auf der Couch lümmeln und sich berieseln lassen. Oder diesen einen Film ordern, den ich noch immer nicht geschafft habe. Und dabei ganz ungeniert eine Tüte Chips wegputzen – ohne zu teilen! Oder ein Eis! Oder beides! Andere Dinge müssen einfach erledigt werden. Die neue Wohnung braucht einen neuen Duschvorhang, einige neue Lampen, mehr Ordnung in praktisch allen Regalen, mehr Sicherheits-Gitter auf der Treppe, und und und…

Die ersten zwei Tage hab ich mit den angenehmen Dingen verbracht und Folgendes festgestellt: Im Fernsehen läuft nur Mist. Ich kann mich nicht erinnern, welcher Film das war, den ich unbedingt sehen wollte. Und von Chips und Eis wird mir schlecht. Also hab ich beschlossen, mich den anderen Aufgaben zu widmen, konnte aber die nötige Motivation nicht zusammenkratzen. Immerhin hab ich noch sooo lange Zeit, bis die Familie wiederkehrt.

Ich werde mich also jetzt mal zwei Wochen langweilen und dann sehr plötzlich sehr viel Stress kriegen, weil die Zeit knapp wird. Urlaub schaut anders.

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Wunsch und Wirklichkeit

Was klingt wie ein Titel von Jane Austen ist in Wahrheit das Dilemma einer knapp Zweijährigen. Das schönste Kind der Welt versucht gerade, sich die Welt, in die es geboren wurde, so hinzubiegen, dass sie einigermaßen passt. Manches geht, anderes weniger. Zum Beispiel die Hose.

Wir wissen nicht, ob es der nahende Sommer ist und das damit verbundene warme Wetter. Vielleicht kaufen wir auch einfach nur uncooles Zeug und beleidigen damit den kleinen aber exquisiten Geschmack. So oder so, am liebsten würde der Nachwuchs derzeit ohne Hose herumlaufen. Und zwar nicht nur zu Hause, sondern grundsätzlich. Was als nettes Geplänkel auf dem Wickeltisch beginnt, endet meist in einer handfesten Raunzerei im Vorzimmer, wenn außer Hose und Schuhen nichts mehr bleibt, was es anzuziehen gäbe. „Ohne Hose!“ Sicher wäre das manchmal schön, es wird sich aber wohl nicht durchsetzen.

Andere Wünsche sind nicht nur nachvollzieh-, sondern auch erfüllbar. „Schokolade“, „großer Löffel“ oder „Spielplatz“, etwa. Unlängst schoss sie etwas übers Ziel hinaus. Beim Frühstück hieß es plötzlich „Müsli sofort!“ Die Wirklichkeit sah enttäuschend anders aus.

Der jüngst geäußerte Wunsch hat uns allerdings ein wenig überrascht. Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen sollen. Erstens würde die Erfüllung einige Zeit in Anspruch nehmen, zweitens können wir davon ausgehen, dass uns ebendiese Erfüllung irgendwann mal, bei passender Gelegenheit, zum Vorwurf gemacht wird. Als Einzelkind und Mittelpunkt der Welt ist es nur schwer vorstellbar, wie sehr gerade dieser Wunsch ein Leben verändern kann: „Mein Bruder, meine Schwester“.

Schaumer mal, wünschen kann man sich zum Glück ja alles.

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Welt ohne Kuchen

So ein junges Leben bietet nicht nur Friede, Freude und Eierkuchen. Es hat auch manch herbe Enttäuschung parat. Vor allem, wenn es um den Kuchen geht.

Zum Geburtstag der besten Frau der Welt habe ich mich an einem Marmorguglhupf versucht. Das Resultat war zwar nicht wie von Oma, aber immerhin wie von Papa. Essbar. Vor allem dem schönsten Kind der Welt schmeckte das Backwerk. Aber das hatte zuvor auch gerade mal zwei andere Gugelhupfe gekostet und kann sich vermutlich an beide nicht erinnern. Insofern lag die Latte nicht besonders hoch.

Man isst also Kuchen, solange Kuchen da ist. Nach drei Tagen gehörte der Jausen-Kuchen für das gierigste Kind der Welt schon zum Alltag. Am vierten Tag nahm das Drama seinen Lauf. Ein leises „Papa?“ verkündete das Ende des Mittagsschlafes, ich nahm das noch halb im Träumeland weilende Kind auf den Arm, es schmiegte sich an mich und wollte völlig automatisiert zum nächsten Programmpunkt übergehen: „Bitte Kuchen essen.“ Ich antwortete ganz trocken: „Schätzchen, wir haben keinen Kuchen.“

Kein Kuchen. Es dauerte eine Sekunde, bis das Kind die Tragweite meiner Worte erkannt hatte. Sie richtete sich von meiner Schulter auf und sah mich an. Fragend, fassungslos, enttäuscht, unverständig, ein wenig zornig. Kein Kuchen. Wie kann das sein? Was heißt das? Es gibt immer Kuchen! Kuchen ist in der Küche, was soll dort sein, wo sonst der Kuchen ist? Wie soll das gehen? Was sollen wir in einer Welt ohne Kuchen? „Kein Kuchen“ war das erste Trauma in einer Reihe mit „kein Christkind“, „der Nikolaus hat die Brille vom Papa auf“ und „die Mama vom Bambi kommt nie wieder“.

Aber als gute Eltern wissen wir: Da ist nix zu machen, das müssen die Kinder lernen, da müssen die alle mal durch. Nur nicht unser Kind. Ab sofort gibt es IMMER Kuchen. Diesen Blick tu ich mir nie wieder an.

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Nein I

Gestern hat die beste Freundin der Welt etwas getan, was fast zu schrecklich ist, um es mit der Welt zu teilen. Sie hat das schönste Kind der Welt betrachtet, einen Makel entdeckt, ihren Daumen abgeschleckt und damit das kleine Gesicht gereinigt. Das Kind und ich waren gleichermaßen verstört und schockiert.
Das geht doch nicht! Das darf man doch nicht! Das kann jetzt grad nicht passiert sein! Nein!

Ich weiß noch, wie ich es gehasst habe, von meiner Mutter in aller Öffentlichkeit … nun ja … eben bemuttert zu werden. Da legt man im Alter von drei Jahren auf einer Faschingsfeier einen Auftritt hin, der heute noch in Liedern besungen wird. So einen Schlumpf hatten die noch nie gesehen! Und „Schlumpf“ steht hier nicht für irgendein Kosewort wie „Dreikäsehoch“ oder „Windel-Rambo“. Schlumpf heißt Schlumpf, ganz in blau, weiße Hose, weiße Haube. Wie aus dem Fernseher. Richtig cool eben. Da betritt man also die Party, nein, man erscheint, lässt sich selbst mal einen Augenblick lang wirken und will dann entspannt weitergehen in Richtung Krapfen-Buffett, und dann kommt Mutter und zieht einem von hinten die Hose hoch, weil das Rip-Unterleiberl rausschaut. Wie uncool ist ein Schlumpf, der sich von seiner Mama das Leiberl richten lässt? Eben.

Wenn wir damit anfangen, wer weiß, was als nächstes kommt! Wir putzen dem schönsten Kind der Welt die Nase. Wir geben ihm ein Bussi. Wir sagen ihm, dass wir es lieb haben. Wir schnuppern an seinem Popo, um zu sehen, ob was drin ist. Wir sagen ihm, dass es eine Haube aufsetzen soll, weil es ist kalt draußen, und wenn es keine Haube aufsetzt, wird es sich verkühlen „und wir kümmern uns dann nicht“!

Verdammt. Alles schon gemacht oder zumindest eingeplant. Aber sicher wird das Kind eine Haube aufsetzen.
Na wenigstens kann ich nicht wie meine Mutter werden. Das kann nur der besten Freundin der Welt passieren…

Verdammt.

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