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The grass is always greener…

Warum kaufen wir Kindern eigentlich Spielzeug? Damit sie die Dinge haben, mit denen sie sich beschäftigen können, die ihnen gefallen, die sie vielleicht sogar lieb gewinnen. Zumindest war das bei mir so. Das schönste Kind der Welt ist da ein wenig anders. Wenn unsere Prinzessin mit uns alleine ist, sind ihre Spielsachen ihre Spielsachen. Das heißt, wir dürfen sie nur mit Erlaubnis benutzen. Da legt sie Wert drauf. Wenn jemand bei uns zu Besuch ist, sind ihre Spielsachen immer noch ihre Spielsachen. Sollten wir aber jemanden treffen, der auch eine Puppe, einen Puppenwagen, eine Trinkflasche, eine Tasche, was auch immer dabei hat, sind ihre Spielsachen nur noch die Dinge, die sie nicht mehr will. Sie will dann das, was das andere Kind hat. Nicht ein gleiches, sondern DAS.

Immerhin fragt sie ihr Gegenüber, ob ein Tausch interessant wäre. Sie geht allerdings davon aus, dass diese Frage immer und automatisch mit einem „ja“ beantwortet werden muss. So haben Mama und Papa es ihr beigebracht. Man fragt, und dann darf man. Dass man mal nicht darf, dass jemand mal nicht tauschen möchte, hat in diesem Konzept keinen Platz. Dann landet ihre Puppe im Staub, ihr Fahrrad kann getrost der Papa tragen, ihre tolle rote Sigg-Flasche ist nur mehr Ballast. Sie will das Unerreichbare erreichen, sie will das Gras, das auf der anderen Seite immer grüner ist.

Und sie ist konsequent. Wenn Mama und Papa zuhause sind, ist Papa fürs Blödeln zuständig und Mama fürs Kuscheln. Ist die Mama unterwegs, darf der Papa beim Kuscheln aushelfen. Aber nur so lange, bis wir wieder komplett sind. „Ich hab dich ganz lieb, mein Schatz.“ „Und ich hab die Mama lieb.“ Nur gut, dass sie mich noch nicht in den Staub werfen kann.

 

 

 

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Wiener Wind

Ich habe einen neuen Arbeitsplatz und zur Erreichung desselben das Fahrrad als neues Verkehrsmittel auserkoren. 15 Minuten von Tür zu Tür, knappe 10 km sechs Mal die Woche. Mein ökologischer Fußabdruck schrumpft schlagartig auf Schuhgröße 23, ich trainiere nebenbei und spare Geld, das ich sonst den Wiener Linien in den Rachen werfen müsste. Eine Wien-Wien-Situation, wie ein weiser Mann einmal gesagt hat. Aber leider ist es mehr eine Wind-Wind-Situation.

Jetzt muss man sich als Radfahrer ganz grundsätzlich mit Wind abfinden. Je schneller man fährt, desto stärker der Wind, gegen die Physik kann man nix machen. Zum Fahrtwind kommt in Wien aber noch der Wiener Wind. Der ist im Prinzip gleich wie der Wind anderswo auch, mit einem feinen Unterschied. Er kommt immer von vorne.

Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Soweit ich die Physik verstanden habe, müsste der Wind, wenn er von A nach B weht, eine eindeutig bestimmbare Richtung verfolgen. Man müsste also die dem Wind zu- und dem Wind abgewandte Seite bestimmen können und sich entsprechend verhalten. Dem Wiener Wind scheint die Physik allerdings Wurscht zu sein. Ich fahre nach A, der Wind kommt von vorne. Gut, denk ich mir, dann dreh ich um und fahre nach B und was macht der Wind? Er kommt von vorne. Ich sehe Regenschirme und Zeitungen an mir vorüberziehen, Fahnen stehen stramm, kleine Hunde verbeißen sich verzweifelt in Brückengeländer. Und alle tun das in die andere Richtung.

Entweder der Wind hat was gegen mich persönlich oder die Wiener Luft ist einfach dicker als anderswo und man radelt wie durch unsichtbares Wasser. So oder so – mir bleibt nur kindliches Staunen. Mit geschlossenem Mund, ich muss möglichst wenig Widerstand bieten.

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