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Immer nur Passagier

Beim Spielen muss es immer einen geben, der sagt, was jetzt läuft, der entscheidet, ob der Sessel jetzt ein Motorrad oder eine Rakete ist, der weiß, ob hinter dem nächsten Busch der Mars ist oder das Wohnzimmer. Es muss einen Bestimmer geben. Ich bin das nie.

Das war ich schon früher nicht. Als kleiner Bruder eines großen Bruders war ich Befehlsempfänger. Wenn er Lego gebaut hat, hab ich die benötigten Steine rausgesucht. Wenn er heimgewerkt hat, hab ich das Maßband gehalten. Und wenn er im Wohnzimmer aus Tischen, Stühlen und Decken ein echtes Schiff gebaut hat und als Kapitän dem Ozean und sämtlichen Stürmen getrotzt hat, dann war ich – der Passagier. Was macht ein Passagier auf einem Schiff, das weder einen Pool, noch ein Casino, noch eine Bar hat? Er schaut. Und bis ich endlich draufkam, dass das ein blöder Job ist, schaute ich viel.

Heute bin ich erwachsen, ernähre eine Familie und zahle viele wichtige Versicherungen. Nur bestimmen darf ich immer noch nicht. Wenn das schönste Kind der Welt Duplo baut, such ich die gewünschten Steine raus. Wenn das Kind in der Kuschelecke Weihnachtslieder singt, darf ich daneben sitzen und zuhören. Und wenn Einkaufen gespielt wird, dann kauft die Mama ein. Und ich darf in der Schlange stehen und warten.

Zum Glück kommt bald die Ablöse.

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Endlich Rosa

Es ist soweit. Mein schlimmster Alptraum ist wahr. Ich habe lange dagegen angekämpft, aber doch verloren. Das bisher schönste Kind der Welt ist rosa geworden. Wir haben inzwischen rosa Pyjamas, T-Shirts, Pullis, Strumpfhosen und Socken. Dazu sind beide Puppen ganz in rosa gekleidet, eine hat eine rosa Bademantel, die andere sogar knallrosa Haare.

Da endet der Wahnsinn aber noch nicht. Gehen wir zum Bipa, bleibt das Kind todsicher vor einem rosa Regal stehen, in dem Kinder-Kosmetika und Schminke stehen. Ja, so was gibt es wirklich. Gehen wir zum Interspar, steuert sie die Abteilung mit den kleinen roas Ponys und Einhörnern an. An Halloween durfte sie sich als Fee verkleiden, das einzig schreckliche daran war, dass die Fee ganz rosa war. Na gut, es war schon auch ein wenig süß, aber muss man so einen rosa Tüllrock wirklich den ganzen Tag inklusive Einkaufen und Mittagsschlaferl tragen? Eben.

Wie es scheint, ist aus dem Kind nun doch ein richtiges Mädchen geworden. Was rosa ist, muss sie haben. Mit einer Einschränkung. Sie hat uns letztens erklärt, dass der Osterhase doch nicht kommen muss, um die Schnuller zu holen. Dafür pfeift sie sogar auf die rosa Gitarre.

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Welt ohne Kuchen

So ein junges Leben bietet nicht nur Friede, Freude und Eierkuchen. Es hat auch manch herbe Enttäuschung parat. Vor allem, wenn es um den Kuchen geht.

Zum Geburtstag der besten Frau der Welt habe ich mich an einem Marmorguglhupf versucht. Das Resultat war zwar nicht wie von Oma, aber immerhin wie von Papa. Essbar. Vor allem dem schönsten Kind der Welt schmeckte das Backwerk. Aber das hatte zuvor auch gerade mal zwei andere Gugelhupfe gekostet und kann sich vermutlich an beide nicht erinnern. Insofern lag die Latte nicht besonders hoch.

Man isst also Kuchen, solange Kuchen da ist. Nach drei Tagen gehörte der Jausen-Kuchen für das gierigste Kind der Welt schon zum Alltag. Am vierten Tag nahm das Drama seinen Lauf. Ein leises „Papa?“ verkündete das Ende des Mittagsschlafes, ich nahm das noch halb im Träumeland weilende Kind auf den Arm, es schmiegte sich an mich und wollte völlig automatisiert zum nächsten Programmpunkt übergehen: „Bitte Kuchen essen.“ Ich antwortete ganz trocken: „Schätzchen, wir haben keinen Kuchen.“

Kein Kuchen. Es dauerte eine Sekunde, bis das Kind die Tragweite meiner Worte erkannt hatte. Sie richtete sich von meiner Schulter auf und sah mich an. Fragend, fassungslos, enttäuscht, unverständig, ein wenig zornig. Kein Kuchen. Wie kann das sein? Was heißt das? Es gibt immer Kuchen! Kuchen ist in der Küche, was soll dort sein, wo sonst der Kuchen ist? Wie soll das gehen? Was sollen wir in einer Welt ohne Kuchen? „Kein Kuchen“ war das erste Trauma in einer Reihe mit „kein Christkind“, „der Nikolaus hat die Brille vom Papa auf“ und „die Mama vom Bambi kommt nie wieder“.

Aber als gute Eltern wissen wir: Da ist nix zu machen, das müssen die Kinder lernen, da müssen die alle mal durch. Nur nicht unser Kind. Ab sofort gibt es IMMER Kuchen. Diesen Blick tu ich mir nie wieder an.

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Kindische Vorsätze

Am 31.12. reden wir uns die Verfehlungen des letzten Jahres als gute Vorsätze des kommenden Jahres schön. Das schönste Kind der Welt hat sich folgendes vorgenommen:

  • Im Liegen einschlafen.
  • Mama und den Mann, der auch da wohnt, durchschlafen lassen.
  • Wenn der Schnuller aus dem Mund fällt – Ruhe bewahren. Es ist nur ein Schnuller.
  • Die Stimmbänder langsam einsingen, bevor es in die hohen Lagen geht.
  • Einen Pyjama ein Frühstück überleben lassen.
  • Eine Zeitung ein Frühstück überleben lassen.
  • Den anderen Kindern wirklich nur „Ei Ei“ geben.
  • Das nervige Dinosaurier-Geräusch (wie diese kleinen schnellen Biester aus Jurassic Park) abstellen.
  • Wenn Abstellen nicht geht: Mama und dem Mann, der auch da wohnt, wenigstens zehn Sekunden Zeit zum Reagieren lassen, bevor das Dinosaurier-Geräusch kommt.
  • Der Gute-Nacht-Flasche noch eine letzte Chance geben.
  • Den Mann, der auch da wohnt, wieder vom Finger abwickeln.

Wobei zu befürchten ist, dass der letzte Punkt die nächsten paar Jahre auf der Liste bleiben wird.

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