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Wunsch und Wirklichkeit

Was klingt wie ein Titel von Jane Austen ist in Wahrheit das Dilemma einer knapp Zweijährigen. Das schönste Kind der Welt versucht gerade, sich die Welt, in die es geboren wurde, so hinzubiegen, dass sie einigermaßen passt. Manches geht, anderes weniger. Zum Beispiel die Hose.

Wir wissen nicht, ob es der nahende Sommer ist und das damit verbundene warme Wetter. Vielleicht kaufen wir auch einfach nur uncooles Zeug und beleidigen damit den kleinen aber exquisiten Geschmack. So oder so, am liebsten würde der Nachwuchs derzeit ohne Hose herumlaufen. Und zwar nicht nur zu Hause, sondern grundsätzlich. Was als nettes Geplänkel auf dem Wickeltisch beginnt, endet meist in einer handfesten Raunzerei im Vorzimmer, wenn außer Hose und Schuhen nichts mehr bleibt, was es anzuziehen gäbe. „Ohne Hose!“ Sicher wäre das manchmal schön, es wird sich aber wohl nicht durchsetzen.

Andere Wünsche sind nicht nur nachvollzieh-, sondern auch erfüllbar. „Schokolade“, „großer Löffel“ oder „Spielplatz“, etwa. Unlängst schoss sie etwas übers Ziel hinaus. Beim Frühstück hieß es plötzlich „Müsli sofort!“ Die Wirklichkeit sah enttäuschend anders aus.

Der jüngst geäußerte Wunsch hat uns allerdings ein wenig überrascht. Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen sollen. Erstens würde die Erfüllung einige Zeit in Anspruch nehmen, zweitens können wir davon ausgehen, dass uns ebendiese Erfüllung irgendwann mal, bei passender Gelegenheit, zum Vorwurf gemacht wird. Als Einzelkind und Mittelpunkt der Welt ist es nur schwer vorstellbar, wie sehr gerade dieser Wunsch ein Leben verändern kann: „Mein Bruder, meine Schwester“.

Schaumer mal, wünschen kann man sich zum Glück ja alles.

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Sie will aber nicht

Ja, es geht schon wieder um die kleine Person. Das Problem ist, dass es derzeit leider kein anderes Thema gibt. Ich bin inzwischen einer dieser Väter, die, wenn sie nicht über das schönste Kind der Welt sprechen dürfen, nicht mehr wissen, worüber sie sonst sprechen sollen.

Mein schönstes Kind der Welt kann zwar nicht pupsen (darüber haben wir schon gesprochen) sie kann aber inzwischen hervorragend ihren Willen äußern. Allerdings nur invertiert. Sie kann also nicht sagen, was sie will, sie kann nur sagen, was sie nicht will. Das dafür umso vehementer. Wir halten sie so – sie schreit. Wir halten sie anders – sie schreit. Wir setzen sie auf – sie schreit. Wir legen sie hin – sie lacht. Endlich was richtig gemacht.

So sehr wir uns freuen, dass das schönste Kind der Welt jetzt also seinen Willen invertiert ausdrücken kann, so sehr beschäftigt uns der Umstand, dass sie manchmal schlicht nicht weiß, was denn gerade der Wille sein soll, der invertiert auszudrücken wäre. Bestes Beispiel: Sie kann sich inzwischen vom Rücken auf den Bauch drehen. Das tut sie auch mit dem größten Vergnügen. Jetzt sollte man annehmen, dass die erfolgreiche Ausübung einer neu erworbenen Fähigkeit zu einer gewissen Befriedigung führt. Weit gefehlt! Nur das Drehen an sich bereitet ihr nämlich Vergnügen. Vom „Am Bauch Liegen“ hält sie dagegen nicht viel.

Das Spiel geht so: Das schönste Kind der Welt liegt am Rücken, sie schreit, sie dreht sich auf den Bauch, freut sich kurz über den Erfolg, und schreit dann, weil die Bauchlage offenbar nicht bequem ist. Ich drehe sie auf den Rücken, und wir fangen von vorne an. Das geht dann solange, bis ich aufgebe.

Aber wie ein weiser Mensch einmal gesagt hat: Das geht vorbei. Und dann kommen die Zähne.

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