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Hallo!

Ich rufe zuhause an.
„Hallo Schatz.“
     „HALLO PAPA!“
„Ah, hallo Lilli! Und hallo Schatz.“
     „Hi. Wie geht’s dir?“
„Danke, und…“
     „HALLO PAPA!“
„Hallo Lilli! Ja, der Papa ist da.“
     „HALLO PAPA! – Ja, immer noch der Papa. Wie war die… – PAPA WOW! – Sie zeigt dir das Holzpferd.“
„So ein schönes Holzpferd. Was wolltest du sagen?“
     „Wie die Vorstellung war.“
„Alles…“
     „PAPA WOW! – Sie zeigt dir ihr T-Shirt.“
„So ein schönes T-Shirt! War OK, danke. Deine Vorlesung?“
     „War… – PAPA WOW! – Sie zeigt Dir ihre Hausschuhe.“
„Sehr schöne Schuhe. Was hast du denn noch alles an?“
     „WOW! – Sie zeigt dir ihre Stumpfhose. – WOW! – Jetzt wieder das T-Shirt. – WOW! – Und das Pferd.“
„Sehr schön, Lilli.“
     „HALLO PAPA! – So, meine Süße. Jetzt darf einmal die Mama mit dem Papa reden.“
„Schönen Abend noch, Mäuschen!“
     „Gib mir jetzt das Handy – AAAAAAA!!!!!!!!!“
„Lilli, die Mama… “
     „AAAAAAA!!!!“
„…mag auch mit dem Papa reden!“
     „AAAAAAA!!!!!!! – He! Stehenbleiben!“
„Lilli, gib das Telefon jetzt der Mama, bitte.“
     „HAHAHA!“
„Nein, das ist jetzt nicht lustig, die Mama will telefonieren!“
     „Danke, so isses bra… AAAAA!!! – tut tut tut.“
Schatz, falls Du das hier liest: Alles gut. Komme bald.

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Endlich eine Kampagne

Frau Lindner sitzt nicht mehr im Nationalrat. Schade, meint sie. Weniger schade, meinen viele, wenn nicht alle, anderen. Sie selbst führt ihren Rücktritt auf eine „gezielte, gegen mich geführte Kampagne“ zurück. Das klingt ein wenig trotzig, fast beleidigt. Ich möchte dazu gerne sagen: Bravo!

Lindner hat ihr Mandat mehr oder weniger von der Straße aufgelesen. Sie stand einige Tage lang auf einer Wahlliste, als Verdienste für das Team Stronach lassen sich die Teilnahme an einer Pressekonferenz auflisten und sonst … nix, eigentlich. Dafür hat sie mit nur 29 Tagen zwischen Angelobung und Abgang einen neuen Kurzzeitrekord im Parlament aufgestellt, bei ihrer zweiten Sitzung war sie bereits verhindert.

Wenn also jemand immer wieder aufzeigt und ganz laut ruft: „Schaut alle her, ich verhalte mich wirklich dämlich und gegen jeden Anstand!“, dann ist eine „gezielte, gegen diese Person gerichtete Kampagne“ ja wohl das mindeste, was man erwarten darf. Danke, auch soziale, Medien. Endlich eine Kampagne.

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Kino

Gestern ist etwas passiert, was schon lange nicht mehr passiert ist. Die beste Frau der Welt und ichselbst waren im Kino. Zum ersten Mal seit der Geburt unserer Kleinen, also zum ersten Mal seit mehr als 1 1/2 Jahren. Dementsprechend groß war die Aufregung.

In der Vorbereitung: Wo ist denn das nächste Kino? Wie kommen wir denn da hin? Wo parken wir denn da? Wie viel vorher müssen wir dort sein, damit wir noch Karten kriegen?

Im Foyer: Wo sind denn die Kassen? Hinter der langen Schlange. Kann man hier mit Bankomat zahlen? Raus aus der Schlange, Bankomat suchen. Da sind wir wieder, wir hatten doch genug Bares. Dritte Reihe? Da will ich aber nicht… ach, sie zählen das von hinten? Seit wann denn das?

An der Snack-Theke: Schau, schon wieder eine Schlange. Kann man hier mit Bankomat zahlen? Verdammt, wieder raus aus der Schlange. Ups, wieder Fehlalarm, wir hatten immer noch genug Bares. Haha. Nein, das können sie jetzt nicht verstehen, junger Mann, wir hatten vorher an der Karten-Kasse schon mal so ein lustiges, ach die anderen warten, na dann beeilen wir uns. Sagen sie mal, was sind denn „Nachos“ genau? Braucht irgendjemand wirklich so viel Cola? Da muss man doch sicher mindestens einmal aufs Klo. Na gut, einmal „Nachos“. So viel? Spinnen die, das hat doch nie… ?!?!

Im Saal: Willst du da? Dann kann ich… also wie du willst. Nein, wie DU willst. Mir ist es wirklich egal. Also so. Sicher? Bin schon ruhig. Gib mal die Jacke. Halt aber vorher das da, und jetzt ich mit den Nachos, hast du da jetzt eines verloren? So jetzt gehts. Handy weg. Schlüssel weg. Handy wieder her, lautlos schalten. Nachos in der einen Hand, Cola in der anderen – schau mal, die haben jetzt sogar schon Becherhalter! Im Kino! Wahnsinn. Der Film geht los. Ui, die Nachos sind aber laut.

Und rundherum lauter  junge Menschen, die uns entgeistert anschauen. Wartet, bis Ihr Kinder kriegt!

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vermiss mich!

Vielleicht habe ich in einem meiner letzten Beiträge ein wenig übertrieben. Da habe ich vorausgesagt, dass wir unserem Nachwuchs bald peinlich sein werden. Das ist zwar noch nicht der Fall, ABER…

Sie freut sich, wenn wir in der Früh in Richtung Kindergarten losmarschieren.

Sie freut sich, wenn sie den Kindergarten sieht.

Sie geht alleine in die Kindergartengruppe.

Sie spielt dort mit anderen Kindern.

Sie jausnet dort.

Sie bastelt dort an ihrer Laternenfest-Laterne.

Sie schläft dort in den Armen der Pädagogin („Tante“ darf man ja nicht mehr sagen, schade eigentlich) ein.

Sie hat dort Spaß! Und zwar mit lauter anderen Menschen! Andere Menschen, die NICHT Mama und Papa sind!

Während man sich schon freut, dass man nicht mehr so sehr vermisst wird, wünscht man sich nur eines: Vermisst zu werden.

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Warum?

Ich hab es mir vor der Wahl verbissen, aber es geht nicht mehr anders. Der Mann hat sicherlich in der Vergangenheit vieles geleistet, viel erreicht, viele Arbeitsplätze geschaffen und gaaaanz viel Steuern bezahlt. Das war früher. Jetzt sitzt da ein älterer Herr, der aus – wir nehmen es einfach mal an, weil wir keinen Grund haben, das Gegenteil anzunehmen – Philantropie eine politische Bewegung gegründet hat und …

Und da ist das Problem. Eine Bewegung zu gründen ist noch nicht genug. Menschen einzukaufen, die aufgrund ihres früheren Engagements in anderen politischen Bewegungen schon mal an den Hebeln der Macht sitzen, ist auch nicht genug. Ebensowenig wie Unsummen für schöne Fotos und kurze Wahlslogans auszugeben, ganzseitige Inserate in Tageszeitungen zu schalten und mit nacktem Oberkörper zu posieren. Es fehlt was.

Unter anderem fehlen ein Partei-Programm, das diese Bezeichnung auch verdient und die Fähigkeit, in ganzen Sätzen zu sprechen. Und bald fehlt auch der Parteigründer, der sich jetzt „langsam zurückziehen“ wird.

268.679 ÖsterreicherInnen (http://wahl13.bmi.gv.at) haben Stronach gewählt. Ich würde echt gerne wissen: Warum eigentlich?

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Wiener Wind

Ich habe einen neuen Arbeitsplatz und zur Erreichung desselben das Fahrrad als neues Verkehrsmittel auserkoren. 15 Minuten von Tür zu Tür, knappe 10 km sechs Mal die Woche. Mein ökologischer Fußabdruck schrumpft schlagartig auf Schuhgröße 23, ich trainiere nebenbei und spare Geld, das ich sonst den Wiener Linien in den Rachen werfen müsste. Eine Wien-Wien-Situation, wie ein weiser Mann einmal gesagt hat. Aber leider ist es mehr eine Wind-Wind-Situation.

Jetzt muss man sich als Radfahrer ganz grundsätzlich mit Wind abfinden. Je schneller man fährt, desto stärker der Wind, gegen die Physik kann man nix machen. Zum Fahrtwind kommt in Wien aber noch der Wiener Wind. Der ist im Prinzip gleich wie der Wind anderswo auch, mit einem feinen Unterschied. Er kommt immer von vorne.

Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Soweit ich die Physik verstanden habe, müsste der Wind, wenn er von A nach B weht, eine eindeutig bestimmbare Richtung verfolgen. Man müsste also die dem Wind zu- und dem Wind abgewandte Seite bestimmen können und sich entsprechend verhalten. Dem Wiener Wind scheint die Physik allerdings Wurscht zu sein. Ich fahre nach A, der Wind kommt von vorne. Gut, denk ich mir, dann dreh ich um und fahre nach B und was macht der Wind? Er kommt von vorne. Ich sehe Regenschirme und Zeitungen an mir vorüberziehen, Fahnen stehen stramm, kleine Hunde verbeißen sich verzweifelt in Brückengeländer. Und alle tun das in die andere Richtung.

Entweder der Wind hat was gegen mich persönlich oder die Wiener Luft ist einfach dicker als anderswo und man radelt wie durch unsichtbares Wasser. So oder so – mir bleibt nur kindliches Staunen. Mit geschlossenem Mund, ich muss möglichst wenig Widerstand bieten.

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FeigMann

Da heirate ich also einige Monate vor der Nationalratswahl in der Steiermark und just fünf Minuten, bevor die Braut erscheinen soll, sagt mir mein Trauzeuge, dass vorn im Lokal der Bundeskanzler zu Mittag sitzt.

Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken runter. Der wird sicher im Wahlkampffieber sein. Dann wird er sicher Stimmen fangen wollen. Der kriegt sicher mit, dass wir da heute heiraten und dann wird er sicher herkommen und sich bemüßigt fühlen, mit dem glücklichen Paar zu reden, uns Nichtrauchern ein paar rote Feuerzeuge zu schenken und unseren besonderen Tag durch ein gemeinsames Foto noch ein wenig besonderer zu machen.

Wie sagt man dem Bundeskanzler, dass es sich um eine private Veranstaltung handelt und er hier aber wirklich nichts zu suchen hat? Wie entkommt man dem Foto, das den ewig gleich grinsenden Faymann mit zwei verkrampften Brautleuten zeigt? Ein Albtraum zeichnete sich ab.

Und zerplatzte im Nichts. Der Bundeskanzler verschwand, ohne unser perfektes Fest zu stören. Und ohne uns eines Blickes, geschweige denn eines Feuerzeuges zu würdigen.

Ich weiß noch nicht, was mich mehr stört. Die Aussicht auf ein Bild mit Faymann oder die Tatsache, dass er es trotz Stimmenfang nicht einmal versucht hat.

PS: Ich bin wieder da.

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Wir sind die Welt

Wir haben uns hier mal übers Warten unterhalten. Ich habe festgestellt, dass das Warten an sich für nix ist. Also wirklich für gar nix. Weil das Warten durch nichts erträglicher gemacht werden kann. Am wenigsten durch Warteschleifen.

Erfunden wurde die Warteschleife bekanntlich auf einer Tagung von Beamten, Telefonisten bei einer Beschwerdehotline und  Sachbearbeitern in einer Hausverwaltung. Sie alle brachten tagtäglich Anrufer zur Weißglut, und zwar nur mit ihrer patentierten Mischung aus Arroganz und Inkompetenz. Damit hatten sie eine Zeit lang recht viel Spaß, doch dann wollten sie mehr. Sie beschlossen, die Anrufer zuerst noch in Sicherheit zu wiegen, um dann umso überraschender und härter zuschlagen zu können. „Mozart? Das ist ja nett. So nette Menschen dort. Wird sicher ein nettes Gespräch.“ Die Ruhe vor dem Sturm. Das Atemholen der Götter.

Jetzt muss man sagen, dass das an sich eine gute Idee ist. Sogar mit dem Wissen, dass es sich nur um ein perfides Ablenkungsmanöver handelt, ist Mozart angenehmer als „Bitte Warten. Bitte Warten…“ Wenn es denn nur bei Mozart geblieben wäre. Inzwischen hören wir chinesische Volkslieder aus der Bontempi-Orgel, Klavier-Interpretationen aktueller Hits, Radio Burgenland, das „Best of-Album“ von Howard Carpendale oder den Fahrstuhl-Klassiker „Girl from Ipanema“.

Und die Wiener Gebietskrankenkasse hat sogar noch eines draufgesetzt. Die spielen „We are the World“ – als Querflötensolo.

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Zeit

12:30. Gestern Auftritt. Heute Auftritt. Dazwischen vor allem eines: Zeit.

12:32. Da sitzt man jetzt also auf einem leidlich bequemen Sofa in einem Hotel und wartet. Darauf, dass das flaue Gefühl im Magen vergeht, darauf, dass man eine Idee hat, was man mit dem Nachmittag anfangen könnte und vor allem darauf, das die Zeit vergeht.

12:34. Wenn ich keine Zeit habe, werde ich meist ein wenig unrund, aber ich funktioniere. Ich schaffe es, eine Sache nach der anderen zu erledigen, ich werde effizient.

12:36. Jetzt isses anders. Jetzt habe ich mehr Zeit als mir lieb ist und merke: Effizienz führt nirgendwo hin.

12:37. Funktionieren ebenso wenig. Was in dieser Situation gefragt ist, ist Entspannung. Oder Muße. Oder die Fähigkeit, einfach mal ruhigen Gewissens nichts zu tun und das auch noch zu genießen. Also genieße ich jetzt.

12:39. Ich kann das nicht genießen. Weil ich weiß, dass ich einige Dinge zu tun hätte, für die ich aber allesamt zu müde bin. Außerdem ist das flaue Gefühl im Magen noch immer da.

12:41. Wenigstens kann ich jetzt in Ruhe schreiben.

12:42 Beim Schreiben vergeht die Zeit immer gut. Ich hab mit diesem Text immerhin schon Zeit totgeschlagen, um genau zu sein…

12:43. 13 Minuten. Na geh.

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Spazieren ist doch super

Was ist nicht alles passiert! Papst weg, Darabos weg, Dörfler weg, Scheuch weg, Frühling kommt, nur Pröll bleibt. Dann heißt es auf einmal, dass Ludeln auf der Autobahn bald was kosten soll, dass Kate ein Mädchen kriegt, dass Stronach doch nur Mist redet, dass das berühmteste Pferd der Welt sich beim Sex verletzt hat, dass Heimarbeit doch nicht so toll ist und dass der Frühling doch nicht bleibt.

Ganz viele Sachen, über die man schreiben könnte! Und was mache ich? Ich gehe spazieren. Ich habe an dieser Stelle schon einmal angemerkt, dass ich früher nicht besonders gerne spazieren gegangen bin. Inzwischen bin ich ein richtiger Fan.
Weil warum: Die beste Freundin der Welt sehr krank. Das schönste Kind der Welt nur wenig weniger krank. Beide husten und rotzen mich andauernd voll, während ich das Frühstück, die Wäsche und das Bett mache, einkaufe, spiele, füttere, schlafen lege, wieder spiele, in die Apotheke laufe und zur späten Stunde endlich vor dem Fernseher einschlafen darf.

Nachdem ich dann mal vier Stunden am Stück am Wohnzimmerboden gekniet bin und mich ausschließlich darauf konzentriert habe, dass das wackeligste Kind der Welt in die richtige Richtung umfällt, war der Spaziergang ein Gang in den Himmel.
Spazieren ist also doch super.

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