Schlagwort-Archive: brandl

Immer nur Passagier

Beim Spielen muss es immer einen geben, der sagt, was jetzt läuft, der entscheidet, ob der Sessel jetzt ein Motorrad oder eine Rakete ist, der weiß, ob hinter dem nächsten Busch der Mars ist oder das Wohnzimmer. Es muss einen Bestimmer geben. Ich bin das nie.

Das war ich schon früher nicht. Als kleiner Bruder eines großen Bruders war ich Befehlsempfänger. Wenn er Lego gebaut hat, hab ich die benötigten Steine rausgesucht. Wenn er heimgewerkt hat, hab ich das Maßband gehalten. Und wenn er im Wohnzimmer aus Tischen, Stühlen und Decken ein echtes Schiff gebaut hat und als Kapitän dem Ozean und sämtlichen Stürmen getrotzt hat, dann war ich – der Passagier. Was macht ein Passagier auf einem Schiff, das weder einen Pool, noch ein Casino, noch eine Bar hat? Er schaut. Und bis ich endlich draufkam, dass das ein blöder Job ist, schaute ich viel.

Heute bin ich erwachsen, ernähre eine Familie und zahle viele wichtige Versicherungen. Nur bestimmen darf ich immer noch nicht. Wenn das schönste Kind der Welt Duplo baut, such ich die gewünschten Steine raus. Wenn das Kind in der Kuschelecke Weihnachtslieder singt, darf ich daneben sitzen und zuhören. Und wenn Einkaufen gespielt wird, dann kauft die Mama ein. Und ich darf in der Schlange stehen und warten.

Zum Glück kommt bald die Ablöse.

Advertisements
Getaggt mit , , , , , , ,

The grass is always greener…

Warum kaufen wir Kindern eigentlich Spielzeug? Damit sie die Dinge haben, mit denen sie sich beschäftigen können, die ihnen gefallen, die sie vielleicht sogar lieb gewinnen. Zumindest war das bei mir so. Das schönste Kind der Welt ist da ein wenig anders. Wenn unsere Prinzessin mit uns alleine ist, sind ihre Spielsachen ihre Spielsachen. Das heißt, wir dürfen sie nur mit Erlaubnis benutzen. Da legt sie Wert drauf. Wenn jemand bei uns zu Besuch ist, sind ihre Spielsachen immer noch ihre Spielsachen. Sollten wir aber jemanden treffen, der auch eine Puppe, einen Puppenwagen, eine Trinkflasche, eine Tasche, was auch immer dabei hat, sind ihre Spielsachen nur noch die Dinge, die sie nicht mehr will. Sie will dann das, was das andere Kind hat. Nicht ein gleiches, sondern DAS.

Immerhin fragt sie ihr Gegenüber, ob ein Tausch interessant wäre. Sie geht allerdings davon aus, dass diese Frage immer und automatisch mit einem „ja“ beantwortet werden muss. So haben Mama und Papa es ihr beigebracht. Man fragt, und dann darf man. Dass man mal nicht darf, dass jemand mal nicht tauschen möchte, hat in diesem Konzept keinen Platz. Dann landet ihre Puppe im Staub, ihr Fahrrad kann getrost der Papa tragen, ihre tolle rote Sigg-Flasche ist nur mehr Ballast. Sie will das Unerreichbare erreichen, sie will das Gras, das auf der anderen Seite immer grüner ist.

Und sie ist konsequent. Wenn Mama und Papa zuhause sind, ist Papa fürs Blödeln zuständig und Mama fürs Kuscheln. Ist die Mama unterwegs, darf der Papa beim Kuscheln aushelfen. Aber nur so lange, bis wir wieder komplett sind. „Ich hab dich ganz lieb, mein Schatz.“ „Und ich hab die Mama lieb.“ Nur gut, dass sie mich noch nicht in den Staub werfen kann.

 

 

 

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Entweder oder

Die Eltern freuen sich, dass das Kind einen eigenen Willen entwickelt. Dabei gibt es kaum etwas schlimmeres, als ein Kind mit eigenem Willen.

Das sturste Kind der Welt will die Dinge auf seine Art erledigen. Es will alleine Schuhe anziehen, es will alleine die Treppe runtergehen, es will nur dieses und nicht jenes Shirt anziehen. Eine weise Frau hat mir einmal gesagt: „Pick your battles.“ Kämpfe nur um das, was Du WIRKLICH willst. Ob das Shirt jetzt rot oder grün ist, kann mir doch egal sein. Aber manchmal geht es einfach ums Prinzip. Hin und wieder wollen die Eltern auch noch gewinnen.

Wenn es etwa um den Schnuller geht. Die beste Frau der Welt und ich versuchen seit geraumer Zeit, dem Kind ein Leben ohne Saugdings schmackhaft zu machen. Mit bisher mäßigem Erfolg. Wenn ich derzeit ein „Ich krieg jetzt den Schnuller, bitte“ bekomme ich als Antwort „Eine Minute!“ Die Feilscherei zieht sich meist in die Länge, nach der achten „einer Minute“ erbarmt sich das Kind und der Papa hat gewonnen. Oder auch nicht.

Anfangs haben wir noch versucht, dem Kind mit Liebenswürdigkeit und Verständnis zu kommen. Bis wir draufgekommen sind, dass Drohungen doch am Besten funktionieren: „Wenn du jetzt nicht die Schuhe anziehst, dann geht der Papa eben alleine auf den Spielplatz.“ Damit, dass das 2 Jahre alte Ding mit „Auf Wiedersehen“ antwortet, kann ja keiner rechnen.

Getaggt mit , , , , , ,

Zu spät

Morgen ist der „Urlaub“ vorbei. „Urlaub“ schreib ich deshalb mit „“, weil ich eigentlich daheim bin und arbeite, aber eben ohne die beste Familie der Welt, die ihrerseits auf Urlaub ist. Ich dachte, ich hätte ebenfalls Urlaub: ausschlafen, fernsehen, ungesunde Sachen essen, solche Sachen eben. Ich hab mich geirrt.

Zuerst standen zwei Tage Nixtun auf dem Programm, das war allerdings recht bald recht fad. Dann habe ich einige Dinge in der Wohnung erledigt, aber nur die Kleinigkeiten. Für die großen Sachen hatte ich noch sooo viel Zeit, das musste ich ja nicht unbedingt jetzt sofort machen. Einmal entschied ich mich spontan für einen Ausflug, dann half ich im schwiegerelterlichen Geschäft aus, dann kamen Freunde zu Besuch, dann bügelte ich, dann musste ich die Buchhaltung machen, dann war was Gutes im Fernsehen und dann… waren die zwei Wochen auf einmal um.

Jetzt packt mich die Panik. Bild nicht aufgehängt, Küche nicht aufgeräumt, Geschenk fürs Kind nicht eingepackt, Kuchen nicht gebacken, nicht ausgeschlafen, nicht eingekauft, Bett nicht überzogen, Wäsche nicht gewaschen, Lampen nicht montiert, zwei Pflanzen auf der Terasse sterben lassen.

Ich werde die Aufmerksamkeit der besten Frau der Welt einfach darauf lenken, wie sehr sie liebe und wie arg ich sie vermisst habe. Vielleicht lenkt sie das ab. Für fünf Minuten.

Getaggt mit , , , , , , , ,

Wunsch und Wirklichkeit

Was klingt wie ein Titel von Jane Austen ist in Wahrheit das Dilemma einer knapp Zweijährigen. Das schönste Kind der Welt versucht gerade, sich die Welt, in die es geboren wurde, so hinzubiegen, dass sie einigermaßen passt. Manches geht, anderes weniger. Zum Beispiel die Hose.

Wir wissen nicht, ob es der nahende Sommer ist und das damit verbundene warme Wetter. Vielleicht kaufen wir auch einfach nur uncooles Zeug und beleidigen damit den kleinen aber exquisiten Geschmack. So oder so, am liebsten würde der Nachwuchs derzeit ohne Hose herumlaufen. Und zwar nicht nur zu Hause, sondern grundsätzlich. Was als nettes Geplänkel auf dem Wickeltisch beginnt, endet meist in einer handfesten Raunzerei im Vorzimmer, wenn außer Hose und Schuhen nichts mehr bleibt, was es anzuziehen gäbe. „Ohne Hose!“ Sicher wäre das manchmal schön, es wird sich aber wohl nicht durchsetzen.

Andere Wünsche sind nicht nur nachvollzieh-, sondern auch erfüllbar. „Schokolade“, „großer Löffel“ oder „Spielplatz“, etwa. Unlängst schoss sie etwas übers Ziel hinaus. Beim Frühstück hieß es plötzlich „Müsli sofort!“ Die Wirklichkeit sah enttäuschend anders aus.

Der jüngst geäußerte Wunsch hat uns allerdings ein wenig überrascht. Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen sollen. Erstens würde die Erfüllung einige Zeit in Anspruch nehmen, zweitens können wir davon ausgehen, dass uns ebendiese Erfüllung irgendwann mal, bei passender Gelegenheit, zum Vorwurf gemacht wird. Als Einzelkind und Mittelpunkt der Welt ist es nur schwer vorstellbar, wie sehr gerade dieser Wunsch ein Leben verändern kann: „Mein Bruder, meine Schwester“.

Schaumer mal, wünschen kann man sich zum Glück ja alles.

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Erwachsen auf der Schaukel

Was macht man als Erwachsener bei der Schaukel? Ich hab bisher gedacht, man solle sich kümmern, schlichten, eingreifen, wenn Gefahr droht. Es gibt aber auch Erwachsene, die sich wie Kinder benehmen. Wie ganz blöde Kinder.

Da war etwa diese Frau, die ihre Enkelin geschlagene 25 Minuten am Stück schaukeln ließ – ungeachtet der 4-5 anderen Kinder, die schon eine Schlange gebildet hatten, um auch endlich mal dran zu kommen. Ihr Argument: „Die Kleine will nicht runter.“ Bravo, Oma, gut gemacht.

Dann war da der Vater, der sich in eine Netzschaukel gelegt hat, um mal durchzuschnaufen. So weit, so gut. Nach einigen Minuten Warten fragte ich ihn, ob es möglich wäre, dass meine 1 1/2-jährige Tochter mal drankommen könnte. Seine Reaktion: Erst einmal 5 Sekunden gar nicht reagieren, dann ein sehr angestrengter Blick, ein Augenrollen, ein Seufzer und ein ganz großes Schnoferl. Weil er für ein Kleinkind Platz machen musste.

Oder der Vater, der uns abblitzen ließ, weil er früher schon „seeehr lange“ gewartet hat, als meine Tochter geschaukelt hat. Wo er denn gewartet habe, will ich wissen, ich habe ihn nirgendwo in der Nähe gesehen. Da war er auch nicht, sondern auf der Bank, die 20 Meter „neben“ Schaukel steht.

Liebe Erwachsene. Was ich in Euch Wahrheit gerne sagen würde, schickt sich nicht. Deswegen sag ich es so: werdet erwachsen.

Getaggt mit , , , , , , , ,

Immer so negativ II

Ich habe letztens über das Zauberwort „nein“ geschrieben. Am Wochenende hat das negativste Kind der Welt mal wirklich richtig ernsthaft ohne Spaß ausprobiert, wie weit man damit kommt.

Das Kind bestellte eine Haube, angeblich war es in der Wohnung kalt. Man reichte das Kleidungsstück, nach einer Minute wars in der Wohnung wieder warm, also wurde die Haube vom Kopf gerissen und an Ort und Stelle zu Boden geworfen.

„Heb bitte die Haube auf.“ – „Nein.“ – „Bitte.“ – „Nein.“ – „Jetzt.“ – „Nein.“ – „Komm schon Schätzchen, heb die Haube auf.“ – „Nein.“ Nach fünf Minuten beschloss ich, dass ausnahmsweise einmal ich gewinnen wollte. „Gut, dann setzt du dich jetzt da auf die Couch, und wenn du die Haube nicht aufhebst, dann bleibst du da sitzen.“ Sie saß. Geduldig. Dann weniger geduldig. Immer wieder versuchte ich es. „Magst jetzt die Haube aufheben?“ – „Nein.“ Sie spielte mit ihren Fingern, sie sang Lieder, die keiner außer ihr kennt. Sie turnte auf den Pölstern, sie lag am Rücken und raunzte. Sie wollte aufstehen. „Heben wir die Haube auf?“ – „Nein“, und stieg freiwillig wieder zurück auf die Couch. Die Haube? Auf keinen Fall.

Ich versuchte einen ehrlichen Kompromiss. Ich hob das Kind auf, trug sie quer durchs Wohnzimmer zur Haube und bat sie, einfach nur zuzugreifen. Dann überraschte sie mich wirklich. Sie legte sich neben der Haube auf den Boden und berührte das Corpus Delicti mit den Fingerspitzen. „Und jetzt gib mir die Haube!“ – „Nein“. Sie blieb hart. Ich auch. Nach einer knappen Stunde schlief das sturste Kind der Welt auf der Couch ein. Die Haube lag immer noch am Boden.

Zwei Stunden später, nach dem Aufwachen. „Süße, die Haube liegt noch da, hebst die bitte auf?“ Sie tut es mit einem Lächeln. Kann mir das mal wer erklären?

Getaggt mit , , , , , ,

Immer so negativ

Das schönste Kind der Welt weiß was es will. Eigentlich weiß es nicht was es will, es weiß, was es nicht will. Nämlich alles. Also nichts. Klingt komplizierter als es ist. Einige Beispiele.

„Komm wickeln.“ – „Nein.“
„Komm Hose anziehen.“ – „Nein.“
„Komm ins Bad.“ – „Nein.“
„Komm…“ – „Nein!“
„Magst Du noch Tee?“ – „Nein.“
„Heut gibt’s Müsli!“ – „Nein.“
„Zieh bitte das Leiberl an.“ – „Nein.“
„So, jetzt gehen wir Zähneputzen.“ – „Nein.“
„Spielen wir das Puzzle.“ – „Nein.“
„Krieg ich ein Bussi?“ – „Nein.“
„Ui, der Tiger kocht jetzt eine Suppe für uns.“ – „Nein.“
„Setz Dich bitte in das Wagerl, dann sind wir schneller.“ – „Nein.“
„Schuhe brauchst Du noch!“ – „Nein.“ – „Ohne Schuhe kannst Du nicht in den Kindergarten.“ – „Nein.“ – „Willst du zuhause bleiben?“ – „Nein.“ – „Dann musst du Schuhe anziehen.“ – „Nein.“ – „Also doch zuhause?“ – „Nein.“
„Sag einmal nein.“ – „Nein.“
Reingelegt.

Getaggt mit , , , , ,

Der Papa wars

Wenn mehrere Menschen in einem Raum sind und einer pupst, dann entsteht eine interessante Situation. Der einzige, der ganz sicher weiß, wer es war, ist der Täter selbst. Wenn er allerdings schlau ist, wird er den Teufel tun, sich als dieser zu erkennen zu geben, sondern sich so unauffällig wie möglich verhalten. Er wird den Pups nicht als erster bemerken oder gar kommentieren, das wäre verdächtig. Lieber warten, bis jemand anderer die Nase rümpft und ein amüsantes Kommentar abgibt. Erst dann wird er darauf einsteigen: Entweder ist ihm bisher noch gar nix aufgefallen. Oder er lächelt schelmisch und bemerkt, dass derjenige, der den Pups als erster bemerkt, meist auch der Täter ist. Dann werden alle lachen und den Rest des Abends in gegenseitigem Misstrauen verbringen.

Wenn nur zwei Menschen in einem Raum sind und einer pupst, liegt die Sache völlig offen. Jeder weiß sofort, wer es war, leugnen ist zwecklos. Es gibt nur die Flucht nach vorne, das Bekenntnis, die Entschuldigung und den Verweis auf die Tatsache, dass jeder schon mal gepupst hat, vermutlich sogar Dschungelprinzessin Larissa. (Aber nicht in Klagenfurt, dort macht man so was nicht.)

Das schönste Kind der Welt hat heute früh einen anderen Weg gewählt. Vater und Tochter saßen bei Müsli und Kaffe am Frühstückstisch und schwiegen sich verschlafen an. Plötzlich ein Geräusch, das ganz eindeutig nicht von meinem Sessel kam. Ich: „Ja, was war das denn?“ Sie: „Puh.“ Ich: „Wer hat denn da gepupst?“ Sie: „Papa.“ So voller Überzeugung, dass ich mir einen Moment lang unsicher war.

Getaggt mit , , , , , , , ,

Hosenrolle

Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass die Familie auch in einen bisher sehr gut gehüteten, beinahe intimen Bereich meiner Privatsphäre eingedrungen ist – in meine Hosentaschen.

Hätte man mich vor 20 Jahren in meiner schönen Heimatstadt einer Leibesvisitation unterzogen, die Cops vom  Wachzimmer Graz-Andritz hätten Folgendes gefunden: Einen Schlüsselbund. (Vier Schlüssel. Kein Schnickschnack.) Eine Geldbörse. (Bares in überschaubaren Mengen, Bankomatkarte, ein Zettel mit wichtigen Telefonnummern. Kein Schnickschnack.) Zwei Taschentücher (Sauber.) Das wars auch schon. Kein Schnickschnack. Meine Hosentaschen waren ebenso überschaubar wie mein Leben. Schauen wir uns die Gegenwart an.

Unlängst kam ich in Begleitung des schönsten Kindes der Welt vom Park nach Hause und fand: Mein Handy. Meinen Schlüsselbund. (Wohnung, Auto, Fahrrad, Kinderwagen, Oma, Keller, und der Chip für den automatischen Türöffner im Kindergarten.) Geldbörse. (Karten für: Bipa, DM, Lutz, Billa und Leiner, Mastercard, Visitenkarten, DM-Rechnungen „zum Nachtragen im Bonuspass“, Erinnerung an den nächsten Termin beim Kinderarzt. Dafür kein Bargeld mehr.) Handschuhe des Kindes. Schnullerkette des Kindes. Schnuller. Chip für das Spar-Einkaufswagerl. Und eine Packung Taschentücher.

Das wäre an sich alles nicht so schlimm. Mich stört nur der Umstand, dass es neben den sauberen Taschentüchern immer auch weniger saubere gibt. Viel weniger sauber. Könnte man Kinder ohne Nasen erfinden? Oder zumindest den Winter abschaffen?

Getaggt mit , , , , , ,