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Straffrei pupsen

Da ist sie jetzt also. Sie hat einen tollen Namen (wir haben es doch noch geschafft), sie hat ausreichend Finger und Zehen, große Augen, eine große Stimme und einen kleinen Darm. Und gerade die Zusammenarbeit der Letzteren macht unser Leben derzeit sehr … nennen wir es: interessant.

Es ist schon faszinierend, wie sehr das Wohlbefinden einer ganzen Sippschaft von der Verdauung einer Sechs-Kilo-Person abhängt. Kann sie pupsen, ist alles gut. Kann sie es nicht, ist gar nichts gut. Sie kann dann nicht schlafen. Wenn sie nicht schlafen kann, können wir es auch nicht. Wenn wir nicht schlafen können, sind wir grantig. Wenn wir grantig sind, sind wir am Telefon unfreundlich zu unseren Familien. Wenn wir unsere Familien am Telefon anschnauzen, sind die grantig und schnauzen ihrerseits Freunde, Kunden und wildfremde Menschen an. Und alles nur, weil der Zwerg nicht pupst.

Wir haben schon alles probiert. Die einen Tropfen, die anderen Tropfen, Zäpfchen, Massage mit dem einen Öl, Massage mit dem anderen Öl, Salbe, Radfahren, Fliegerfahren, Autofahren, zur Sicherheit noch ein zweites Bäuerchen machen, Kirschkernkissen, sanft schaukeln, heftiger schaukeln, Fencheltee. Wenn noch jemand einen guten Tipp hat – wir haben ihn sicher schon probiert.

Wenn es dann doch klappt, knallen die Korken. Dann wird gelacht, geknuddelt, gequietscht und gesungen. Und zwar so lange, bis innerhalb eines Sekundenbruchteils wieder alles schlecht ist. Weil das Bauchi wieder weh tut.

Einer lässt einen fahren und alle freuen sich. Eigentlich schade, dass das später aufhört.

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Über das Gießen von Fröschen

Eltern sind schon komische Menschen. Unlängst rief M. bei mir an. Ich freute mich, ich hatte ihn lange nicht gehört. Er erkundigte sich nach meinem Befinden, dann erzählte er ein wenig von sich und mitten im – Nein, nicht den Frosch gießen! – Satz sagte er etwas, was so gar nicht dorthin gehörte. Danach sprach er weiter als wäre nichts gewesen. M. hat keine Probleme, er ist einfach nur Vater.

Ich habe Eltern Dinge tun sehen, die – aus der naiven Sicht eines noch-nicht-Vaters – schon sehr eigenartig sind. Sie verbieten  etwa anderen Personen, Amphibien zu gießen. Sie freuen sich über den Stuhlgang Dritter. Sie setzen sich in Beratungen ganz ernsthaft mit dem richtigen Transportieren kleiner Menschen auseinander. Sie laufen in Unterwäsche durch den Strahl eines Rasensprengers und jauchzen dabei. Sie suchen Autos nach dem vorinstallierten Kindersitz-System aus. Sie zählen sehr bedrohlich bis drei. Sie sprechen die eigene Partnerin nur noch mit „die Mama“ an. Sie rappen das Pippi Langstrumpf-Lied. Sie gehen auf „Baby-Expos“. Sie ertragen dort das Geschrei der Märchentante, in dem Irrglauben, ihrem Nachwuchs würde das gefallen. (Der erträgt es nur, weil Mama es will.) Sie benutzen Eis als Druckmittel, um ihren Willen durchzusetzen. Sie legen ihre Tagesplanung in die Hände Minderjähriger. Sie legen mitten im Gespräch auf, nur weil das Kind plötzlich so ruhig ist, da stimmt sicher was nicht. Und sie sind immer so grundlos müde.

Jetzt muss ich aufhören. Ich muss einem recht großen Bauch erklären, er möge nicht so fest treten, denn „die Mama“ will jetzt bitte schlafen. Und ich muss hoffen, dass der Bauch versteht, was treten, was schlafen und wer bitteschön „die Mama“ ist.

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