Archiv für den Monat März 2014

Welt ohne Kuchen

So ein junges Leben bietet nicht nur Friede, Freude und Eierkuchen. Es hat auch manch herbe Enttäuschung parat. Vor allem, wenn es um den Kuchen geht.

Zum Geburtstag der besten Frau der Welt habe ich mich an einem Marmorguglhupf versucht. Das Resultat war zwar nicht wie von Oma, aber immerhin wie von Papa. Essbar. Vor allem dem schönsten Kind der Welt schmeckte das Backwerk. Aber das hatte zuvor auch gerade mal zwei andere Gugelhupfe gekostet und kann sich vermutlich an beide nicht erinnern. Insofern lag die Latte nicht besonders hoch.

Man isst also Kuchen, solange Kuchen da ist. Nach drei Tagen gehörte der Jausen-Kuchen für das gierigste Kind der Welt schon zum Alltag. Am vierten Tag nahm das Drama seinen Lauf. Ein leises „Papa?“ verkündete das Ende des Mittagsschlafes, ich nahm das noch halb im Träumeland weilende Kind auf den Arm, es schmiegte sich an mich und wollte völlig automatisiert zum nächsten Programmpunkt übergehen: „Bitte Kuchen essen.“ Ich antwortete ganz trocken: „Schätzchen, wir haben keinen Kuchen.“

Kein Kuchen. Es dauerte eine Sekunde, bis das Kind die Tragweite meiner Worte erkannt hatte. Sie richtete sich von meiner Schulter auf und sah mich an. Fragend, fassungslos, enttäuscht, unverständig, ein wenig zornig. Kein Kuchen. Wie kann das sein? Was heißt das? Es gibt immer Kuchen! Kuchen ist in der Küche, was soll dort sein, wo sonst der Kuchen ist? Wie soll das gehen? Was sollen wir in einer Welt ohne Kuchen? „Kein Kuchen“ war das erste Trauma in einer Reihe mit „kein Christkind“, „der Nikolaus hat die Brille vom Papa auf“ und „die Mama vom Bambi kommt nie wieder“.

Aber als gute Eltern wissen wir: Da ist nix zu machen, das müssen die Kinder lernen, da müssen die alle mal durch. Nur nicht unser Kind. Ab sofort gibt es IMMER Kuchen. Diesen Blick tu ich mir nie wieder an.

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Immer so negativ II

Ich habe letztens über das Zauberwort „nein“ geschrieben. Am Wochenende hat das negativste Kind der Welt mal wirklich richtig ernsthaft ohne Spaß ausprobiert, wie weit man damit kommt.

Das Kind bestellte eine Haube, angeblich war es in der Wohnung kalt. Man reichte das Kleidungsstück, nach einer Minute wars in der Wohnung wieder warm, also wurde die Haube vom Kopf gerissen und an Ort und Stelle zu Boden geworfen.

„Heb bitte die Haube auf.“ – „Nein.“ – „Bitte.“ – „Nein.“ – „Jetzt.“ – „Nein.“ – „Komm schon Schätzchen, heb die Haube auf.“ – „Nein.“ Nach fünf Minuten beschloss ich, dass ausnahmsweise einmal ich gewinnen wollte. „Gut, dann setzt du dich jetzt da auf die Couch, und wenn du die Haube nicht aufhebst, dann bleibst du da sitzen.“ Sie saß. Geduldig. Dann weniger geduldig. Immer wieder versuchte ich es. „Magst jetzt die Haube aufheben?“ – „Nein.“ Sie spielte mit ihren Fingern, sie sang Lieder, die keiner außer ihr kennt. Sie turnte auf den Pölstern, sie lag am Rücken und raunzte. Sie wollte aufstehen. „Heben wir die Haube auf?“ – „Nein“, und stieg freiwillig wieder zurück auf die Couch. Die Haube? Auf keinen Fall.

Ich versuchte einen ehrlichen Kompromiss. Ich hob das Kind auf, trug sie quer durchs Wohnzimmer zur Haube und bat sie, einfach nur zuzugreifen. Dann überraschte sie mich wirklich. Sie legte sich neben der Haube auf den Boden und berührte das Corpus Delicti mit den Fingerspitzen. „Und jetzt gib mir die Haube!“ – „Nein“. Sie blieb hart. Ich auch. Nach einer knappen Stunde schlief das sturste Kind der Welt auf der Couch ein. Die Haube lag immer noch am Boden.

Zwei Stunden später, nach dem Aufwachen. „Süße, die Haube liegt noch da, hebst die bitte auf?“ Sie tut es mit einem Lächeln. Kann mir das mal wer erklären?

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