Archiv für den Monat Januar 2014

Hosenrolle

Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass die Familie auch in einen bisher sehr gut gehüteten, beinahe intimen Bereich meiner Privatsphäre eingedrungen ist – in meine Hosentaschen.

Hätte man mich vor 20 Jahren in meiner schönen Heimatstadt einer Leibesvisitation unterzogen, die Cops vom  Wachzimmer Graz-Andritz hätten Folgendes gefunden: Einen Schlüsselbund. (Vier Schlüssel. Kein Schnickschnack.) Eine Geldbörse. (Bares in überschaubaren Mengen, Bankomatkarte, ein Zettel mit wichtigen Telefonnummern. Kein Schnickschnack.) Zwei Taschentücher (Sauber.) Das wars auch schon. Kein Schnickschnack. Meine Hosentaschen waren ebenso überschaubar wie mein Leben. Schauen wir uns die Gegenwart an.

Unlängst kam ich in Begleitung des schönsten Kindes der Welt vom Park nach Hause und fand: Mein Handy. Meinen Schlüsselbund. (Wohnung, Auto, Fahrrad, Kinderwagen, Oma, Keller, und der Chip für den automatischen Türöffner im Kindergarten.) Geldbörse. (Karten für: Bipa, DM, Lutz, Billa und Leiner, Mastercard, Visitenkarten, DM-Rechnungen „zum Nachtragen im Bonuspass“, Erinnerung an den nächsten Termin beim Kinderarzt. Dafür kein Bargeld mehr.) Handschuhe des Kindes. Schnullerkette des Kindes. Schnuller. Chip für das Spar-Einkaufswagerl. Und eine Packung Taschentücher.

Das wäre an sich alles nicht so schlimm. Mich stört nur der Umstand, dass es neben den sauberen Taschentüchern immer auch weniger saubere gibt. Viel weniger sauber. Könnte man Kinder ohne Nasen erfinden? Oder zumindest den Winter abschaffen?

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Jedem das Seine

Das schönste Kind der Welt verteilt seine Zuneigung neuerdings in genau abgemessenen, oft recht kleinen, Dosen. Während früher am besten alle an einem Fleck dasselbe gespielt haben und es gar nicht eng genug sein konnte, heißt es jetzt: „Papa, nein! Mama, da.“ Widerstand ist zwecklos.

Das tut einerseits ein schon ein bissi weh, erleichtert aber andererseits die Tagesplanung. Aufstehen und Frühstück gehört mir. Kindergarten bringen und abholen ebenso. Nach dem Schlaferl Aufwachen am liebsten mit Mama, für den Park ist Papa dann gut genug. Die Jause dort bitte von Antonias Mama, Rutschen und Schaukeln mit Papa, Hoppa und Kuscheln nuuuuuur mit Mama. Wenn ich abends mal zu Hause bin, ist dieser mehr oder weniger fair verteilt: Baden Mama, Zähneputzen Papa, Buch anschauen beide, vor dem Schlafengehen muss ich dann aber raus.

Essen mit Löffel – Papa. Essen mit Gabel – Mama. Kinderwagerl schieben – Papa. (Sie geht schon beim Anschnallen auf Nummer sicher: „Mama, nein. Mama, nein.“) Handschuhe anziehen – Papa. Haare kämmen und Puzzles legen – Mama.

Wir spielen brav mit – bis auf das eine Mal: Da hat die kleine Tyrannin darauf bestanden, dass derjenige, der sie auf Händen trägt, auch noch den leeren Kinderwagen schiebt. Aber sonst geht’s uns gut.

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Hallo!

Ich rufe zuhause an.
„Hallo Schatz.“
     „HALLO PAPA!“
„Ah, hallo Lilli! Und hallo Schatz.“
     „Hi. Wie geht’s dir?“
„Danke, und…“
     „HALLO PAPA!“
„Hallo Lilli! Ja, der Papa ist da.“
     „HALLO PAPA! – Ja, immer noch der Papa. Wie war die… – PAPA WOW! – Sie zeigt dir das Holzpferd.“
„So ein schönes Holzpferd. Was wolltest du sagen?“
     „Wie die Vorstellung war.“
„Alles…“
     „PAPA WOW! – Sie zeigt dir ihr T-Shirt.“
„So ein schönes T-Shirt! War OK, danke. Deine Vorlesung?“
     „War… – PAPA WOW! – Sie zeigt Dir ihre Hausschuhe.“
„Sehr schöne Schuhe. Was hast du denn noch alles an?“
     „WOW! – Sie zeigt dir ihre Stumpfhose. – WOW! – Jetzt wieder das T-Shirt. – WOW! – Und das Pferd.“
„Sehr schön, Lilli.“
     „HALLO PAPA! – So, meine Süße. Jetzt darf einmal die Mama mit dem Papa reden.“
„Schönen Abend noch, Mäuschen!“
     „Gib mir jetzt das Handy – AAAAAAA!!!!!!!!!“
„Lilli, die Mama… “
     „AAAAAAA!!!!“
„…mag auch mit dem Papa reden!“
     „AAAAAAA!!!!!!! – He! Stehenbleiben!“
„Lilli, gib das Telefon jetzt der Mama, bitte.“
     „HAHAHA!“
„Nein, das ist jetzt nicht lustig, die Mama will telefonieren!“
     „Danke, so isses bra… AAAAA!!! – tut tut tut.“
Schatz, falls Du das hier liest: Alles gut. Komme bald.

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