Archiv für den Monat November 2013

Kino

Gestern ist etwas passiert, was schon lange nicht mehr passiert ist. Die beste Frau der Welt und ichselbst waren im Kino. Zum ersten Mal seit der Geburt unserer Kleinen, also zum ersten Mal seit mehr als 1 1/2 Jahren. Dementsprechend groß war die Aufregung.

In der Vorbereitung: Wo ist denn das nächste Kino? Wie kommen wir denn da hin? Wo parken wir denn da? Wie viel vorher müssen wir dort sein, damit wir noch Karten kriegen?

Im Foyer: Wo sind denn die Kassen? Hinter der langen Schlange. Kann man hier mit Bankomat zahlen? Raus aus der Schlange, Bankomat suchen. Da sind wir wieder, wir hatten doch genug Bares. Dritte Reihe? Da will ich aber nicht… ach, sie zählen das von hinten? Seit wann denn das?

An der Snack-Theke: Schau, schon wieder eine Schlange. Kann man hier mit Bankomat zahlen? Verdammt, wieder raus aus der Schlange. Ups, wieder Fehlalarm, wir hatten immer noch genug Bares. Haha. Nein, das können sie jetzt nicht verstehen, junger Mann, wir hatten vorher an der Karten-Kasse schon mal so ein lustiges, ach die anderen warten, na dann beeilen wir uns. Sagen sie mal, was sind denn „Nachos“ genau? Braucht irgendjemand wirklich so viel Cola? Da muss man doch sicher mindestens einmal aufs Klo. Na gut, einmal „Nachos“. So viel? Spinnen die, das hat doch nie… ?!?!

Im Saal: Willst du da? Dann kann ich… also wie du willst. Nein, wie DU willst. Mir ist es wirklich egal. Also so. Sicher? Bin schon ruhig. Gib mal die Jacke. Halt aber vorher das da, und jetzt ich mit den Nachos, hast du da jetzt eines verloren? So jetzt gehts. Handy weg. Schlüssel weg. Handy wieder her, lautlos schalten. Nachos in der einen Hand, Cola in der anderen – schau mal, die haben jetzt sogar schon Becherhalter! Im Kino! Wahnsinn. Der Film geht los. Ui, die Nachos sind aber laut.

Und rundherum lauter  junge Menschen, die uns entgeistert anschauen. Wartet, bis Ihr Kinder kriegt!

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20 Jahre

Neulich krieg ich ein Mail, das mir schlagartig meine eigene Vergänglichkeit vor Augen geführt hat. Ich fühlte mich alt, verbraucht und unattraktiv. Dabei war das Mail durchaus nett gemeint. Mein 20-jähriges Maturatreffen wurde ausgeschrieben.

20 Jahre sind um zwei Jahre länger als das gesamte Leben, das ich bis zur Matura geführt habe. Ich war bei der Matura also weniger als halb so alt, als ich heute bin. Wäre ich gleich nach der Schule Vater geworden, hätte ich heute bereits ein Kind mit Matura. Vor 20 Jahren hatte ich ca. ein Viertel meiner Lebenserwartung hinter mir, heute ist es fast die Hälfte. A propos Viertel: Vor 20 Jahren hatten wir zu Hause noch einen Viertelanschluss.

Ich lasse mal Revue passieren, was vor 20 Jahren sonst noch so war: Ich hatte Haare bis zum Kinn und gut 10 Kilo weniger, ich spielte in einer Band und Volleyball, ich hatte einen Job bei McDonalds, lebte in Graz und bei Mami, ich hatte statt eines Autos ein altes (und gelbes) Puch-Damenfahrrad und wusste nicht so recht, was ich denn studieren sollte. Franz Vranitzky gewann mit der SPÖ die Wahl, Kurt Cobain hat sich erschossen, Justin Bieber wurde geboren (die Welt ist oft ungerecht, oder?), wir zahlten noch in Schilling und a-Ha lösten sich auf. An das alles kann ich mich erinnern, nur den Matura-Stoff hab ich vergessen.

Beängstigend wird es, wenn man bedenkt, wie endlos diese ersten 18 Jahren waren! Und seitdem ist gerade mal eine Woche vergangen, ein Monat maximal. Die nächsten 20 Jahre werden spätestens heute Abend vorbei sein.
Zur Beruhigung: Das ist nicht Vergänglichkeit, es ist einfach nur Leben.