Archiv für den Monat August 2013

„Papa“

Im Zug unterwegs zur besten Familie der Welt. In etwa eineinhalb Stunden werde ich an die Haustüre klopfen und das schönste Kind der Welt wird in freudiger Verzückung „Papa!“ rufen. Zumindest wird man mir davon berichten. Denn das Kind spricht meinen Namen nur aus, wenn ich nicht dabei bin.

Aufgefallen ist mir das erst vor Kurzem. Die beste Frau der Welt erzählt immer, dass das Kind bei allen möglichen Gelegenheiten „Papa“ sagt: Wenn das Telefon läutet, wenn ein SMS eingeht, wenn es an der Türe klingelt, wenn sie das Kind fragt: „Ja wer kommt denn da?“ Die Antwort lautet mit schlafwandlerischer Sicherheit: „Papa“. Derzeit weilt die beste Familie der Welt in Graz, während ich beruflich die ganze Woche in Wien geblieben bin. Angeblich fragt das Kind den ganzen Tag nach mir. „Papa“ hier, „Papa?“ dort.

Interessant ist nur, dass das Kind meinen Namen in meiner Gegenwart offenbar schlagartig vergisst. Wie oft schon haben wir dieses Gespräch geführt: „Sag einmal Mama!“ „Mama.“ „Wie macht das Schiff?“ „Tuuut“ (ein Nebelhorn) „Wie macht der Hund?“ „Wu wu!“ „Sag einmal Oma!“ „Ama.“ „Und jetzt sag einmal Papa!“ … Nichts – außer einem verschmitzten Grinsen.

Ich bin anscheinend nur dann interessant, wenn ich weg bin. Die Vorstellung von mir scheint attraktiver zu sein als meine persönliche Manifestation im selben Raum. Oder aber das Kind hebt sich ein „Papa“ in der direkten Ansprache für eine besondere Gelegenheit auf. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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FeigMann

Da heirate ich also einige Monate vor der Nationalratswahl in der Steiermark und just fünf Minuten, bevor die Braut erscheinen soll, sagt mir mein Trauzeuge, dass vorn im Lokal der Bundeskanzler zu Mittag sitzt.

Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken runter. Der wird sicher im Wahlkampffieber sein. Dann wird er sicher Stimmen fangen wollen. Der kriegt sicher mit, dass wir da heute heiraten und dann wird er sicher herkommen und sich bemüßigt fühlen, mit dem glücklichen Paar zu reden, uns Nichtrauchern ein paar rote Feuerzeuge zu schenken und unseren besonderen Tag durch ein gemeinsames Foto noch ein wenig besonderer zu machen.

Wie sagt man dem Bundeskanzler, dass es sich um eine private Veranstaltung handelt und er hier aber wirklich nichts zu suchen hat? Wie entkommt man dem Foto, das den ewig gleich grinsenden Faymann mit zwei verkrampften Brautleuten zeigt? Ein Albtraum zeichnete sich ab.

Und zerplatzte im Nichts. Der Bundeskanzler verschwand, ohne unser perfektes Fest zu stören. Und ohne uns eines Blickes, geschweige denn eines Feuerzeuges zu würdigen.

Ich weiß noch nicht, was mich mehr stört. Die Aussicht auf ein Bild mit Faymann oder die Tatsache, dass er es trotz Stimmenfang nicht einmal versucht hat.

PS: Ich bin wieder da.

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