Archiv für den Monat April 2013

Wir sind die Welt

Wir haben uns hier mal übers Warten unterhalten. Ich habe festgestellt, dass das Warten an sich für nix ist. Also wirklich für gar nix. Weil das Warten durch nichts erträglicher gemacht werden kann. Am wenigsten durch Warteschleifen.

Erfunden wurde die Warteschleife bekanntlich auf einer Tagung von Beamten, Telefonisten bei einer Beschwerdehotline und  Sachbearbeitern in einer Hausverwaltung. Sie alle brachten tagtäglich Anrufer zur Weißglut, und zwar nur mit ihrer patentierten Mischung aus Arroganz und Inkompetenz. Damit hatten sie eine Zeit lang recht viel Spaß, doch dann wollten sie mehr. Sie beschlossen, die Anrufer zuerst noch in Sicherheit zu wiegen, um dann umso überraschender und härter zuschlagen zu können. „Mozart? Das ist ja nett. So nette Menschen dort. Wird sicher ein nettes Gespräch.“ Die Ruhe vor dem Sturm. Das Atemholen der Götter.

Jetzt muss man sagen, dass das an sich eine gute Idee ist. Sogar mit dem Wissen, dass es sich nur um ein perfides Ablenkungsmanöver handelt, ist Mozart angenehmer als „Bitte Warten. Bitte Warten…“ Wenn es denn nur bei Mozart geblieben wäre. Inzwischen hören wir chinesische Volkslieder aus der Bontempi-Orgel, Klavier-Interpretationen aktueller Hits, Radio Burgenland, das „Best of-Album“ von Howard Carpendale oder den Fahrstuhl-Klassiker „Girl from Ipanema“.

Und die Wiener Gebietskrankenkasse hat sogar noch eines draufgesetzt. Die spielen „We are the World“ – als Querflötensolo.

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