Archiv für den Monat Februar 2013

Ciao Austria!

Eine Woche vor den Wahlen in Niederösterreich und Kärnten läuft auf Puls 4 die „Große Frank Stronach Story“. Eine „Dokumentation“. Oder ein seeehr langer Wahl-Werbespot. Da muss man schon fragen: „Geht’s noch?“ Werbung als Werbung zu betreiben ist eine Sache. Unter dem (sich zurecht schämenden) Deckmantel des Journalismus eine Prime-Time  zu kaufen ist eine andere.

Vor allem: Jetzt geht es nur um die Wahlen in Niederösterreich und Kärnten. Wir haben heuer aber auch auf nationaler Ebene noch was vor! Womit wird uns der selbsternannte Retter Österreichs dann beglücken? Mit einer „Wir lieben Frank“-Themenwoche in der ZiB 2? Mit Reiterstandbildern in den Landeshauptstädten? Mit „die Wehrte“? Mit einem (mir schaudert schon beim Gedanken daran) Sonntags-Interview bei Claudia Stöckl? Mit einer Puls 4-Elefantenrunde, zu der nur Frank selbst, sein Halbbruder, sein Stammwirt und sein Friseur eingeladen sind? Die brandheiße Frage wird lauten: „Frank: Super oder sehr super?“

Früher haben wir immer nach Italien geschaut und uns darüber gewundert, wie man seine Stimme einem alten reichen Mann geben kann, dessen einzige Stärke darin liegt, sich Meinungen kaufen zu können. Hoffentlich sind wir nach nächstem Wochenende nicht selber Italien.

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Lebens-Lüge

Wir haben an dieser Stelle schon über die Weihnachtslüge gesprochen. Die Österreicher lügen aber auch, wenn gerade kein hoher kirchlicher Feiertag ansteht. Obwohl „lügen“ ein hartes Wort ist. Wie es ein geniales österreichisches Kabarettduo einmal ausgedrückt hat: „Wir Österreicher lügen nicht. Wir re-interpretieren nur die Wahrheit kreativ ein bisserl neu.“

Neulich in der Trafik. Nach mir betritt eine Dame den kleinen Raum, vielmehr quält sie sich durch die Türe, behindert von ihrem Gehstock, dem Schneefall, dem dicken Pelzmantel und – sagen wir es, wie es ist – ihrem biblischen Alter. Der Trafikant schaut die Dame kurz an und meint: „S’Gott, junge Frau, was kann i fia Ihna tuan?“ Lüge? Oder nur neu interpretierte Wahrheit? Ich tendiere hier zur glatten Lüge. Sicher, auch diese Greisin war eines Tages eine junge Frau. Allerdings zu einer Zeit, als den Eltern des charmanten Trafikanten noch vom Inhalt ihrer Schultüte schlecht war. In diesem Fall noch von Höflichkeit zu sprechen wäre so, als ob wir den zurückgetretenen Papst Benedikt als Nachwuchshoffnung der katholischen Kirche vermissten.

Und wie wäre es mit Ehrlichkeit? Man kommt nicht weit mit Ehrlichkeit. „Sie leben auch noch?“ ist keine echte Option. Genauso wenig wie: „Ich glaub, das ist gar kein Rindfleisch.“, „Frank, Du redest nur Blödsinn, ich geh zurück zu den Orangen.“ oder „Burschen, als Telekom sollten wir uns schon ein bissi ans Gesetz halten, findet’s nicht?“
Ehrlichkeit ist einfach schlecht fürs Geschäft.

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Mit Tusch!

Ich mag den Fasching nicht. Obwohl ich nicht einmal weiß, was ich gegen den Fasching habe. Naja, zumindest nix wirksames. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!

Der Fasching ist eine eigenartige Zeit. Man muss sich vor anderen Leuten möglichst blöd aufführen, damit die einen mögen. Wie im kommenden Wahlkampf. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!
Nein im Ernst. Der Fasching hat eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Was man von Bundeskanzler Faymann nicht behaupten kann. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!
Der Bundeskanzler hat sich übrigens heuer ganz super verkleidet, obwohl er sich schwer tut mit dem Kostüm, weil es ihm gar so fremd ist. Er geht als jemand, der was zu sagen hat. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!
Aber sind wir nicht so schiach zum Bundeskanzler. Er kann ja nix dafür, dass er so ein ganz spezielles Charisma hat. Manche sind halt so, andere so. Mit dem Unterschied, dass andere Leute mit so einem Charisma nicht in die Politik gehen, sondern Anästhesisten bleiben. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!

Wir wollten über den Fasching reden! Schade, dass er aus ist. Aber die Fastenzeit hat auch ihre guten Seiten. Nehmen wir den Frank Stronach, der muss uns jetzt endlich sagen, was er wirklich vorhat. Weil – was er bis jetzt gesagt hat, war sicher alles ein Faschingsscherz, das kann er unmöglich ernst gemeint haben. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!

Wo wir gerade bei alten Männern sind. Jetzt ist auch noch der Papst zurückgetreten! Das ist der Unterschied zwischen Rom und Wien. Gott nimmt einen Rücktritt an, die ÖVP nicht. Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!
Was Rücktritte angeht, sind wir in Österreich ja nicht sehr verwöhnt. Dabei sollte uns der Papst allen ein Vorbild sein. Es kann auch einmal genug sein, liebe Claudia Stöckl! Ta-Taaa! Tusch! Lei Lei!

(Eine Marschkapelle zieht ein, flankiert von Gardemädchen, alle im Saal stehen auf, gießen sich ein Glas Bowle über den Kopf und tanzen Gangnam Style, der Prinz wirft die Prinzessin in die Luft, sie schlägt hart auf der Gel-Frisur von HC Strache auf, alle lachen herzlich, und Andi und Alex kredenzen ihre Müsli-Mango-Krapfen, weil ein bissi verrückt darf es schon sein im Fasching. Der Ö3-Wecker überträgt live, Robert K. lacht: „Haha äää haha äääh…“)

Wie gesagt: Ich weiß wirklich nicht, was ich gegen den Fasching habe.

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Einfach ehrlich

Ich hab offenbar ein Problem mit Mode. Zumindest scheinen alle außer mir dieser Meinung zu sein. Dabei find ich schon, dass ich mich OK kleide. Ich sage nicht superduperscharf, aber in Ordnung. Über die Zuhausehose kann man vielleicht streiten, aber sonst… meistens doch in Ordnung. Und trotzdem.

Da gibt es einerseits wildfremde Menschen, die sich zu einem Statement hingerissen fühlen. Die treffe ich zum Beispiel zufällig im Baumarkt, und dann sagen sie sowas wie: „Und die passenden Dübel find ich wo?“. Immer wieder glaubt jemand, ich sei ein Mitarbeiter. Dabei hab ich gar kein Namensschild. Was die Sache, wenn man drüber nachdenkt, sogar noch schlimmer macht.

Es gibt die beste Freundin der Welt, die mir zehn Minuten lang beim Anziehen zuschaut, und dann, wenn ich fertig bin, fragt sie: „Das Hemd willst du anziehen?“ Nein, natürlich nicht, ich hol immer zuerst das Gewand aus dem Schrank, das ich NICHT anziehen will. Ich probier es nur an, um wirklich sicher zu sein. Aber natürlich kommt dieses Hemd nicht in Frage, es wird sofort ausgetauscht.

Das find ich gemein, das find ich hinterhältig. Wenn jemandem mein Stil nicht gefällt, dann soll er nicht versuchen, mich auf halb subtile Art darauf hinzuweisen, er soll es geradeaus, ehrlich und ohne Schnörkel sagen. Wie es das schönste Kind der Welt macht. Wenn es ein Outfit nicht mag, dann spuckt es drauf. Ehrlich und ohne Schnörkel. So wie ich es mag.

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