Archiv für den Monat Januar 2013

Nein I

Gestern hat die beste Freundin der Welt etwas getan, was fast zu schrecklich ist, um es mit der Welt zu teilen. Sie hat das schönste Kind der Welt betrachtet, einen Makel entdeckt, ihren Daumen abgeschleckt und damit das kleine Gesicht gereinigt. Das Kind und ich waren gleichermaßen verstört und schockiert.
Das geht doch nicht! Das darf man doch nicht! Das kann jetzt grad nicht passiert sein! Nein!

Ich weiß noch, wie ich es gehasst habe, von meiner Mutter in aller Öffentlichkeit … nun ja … eben bemuttert zu werden. Da legt man im Alter von drei Jahren auf einer Faschingsfeier einen Auftritt hin, der heute noch in Liedern besungen wird. So einen Schlumpf hatten die noch nie gesehen! Und „Schlumpf“ steht hier nicht für irgendein Kosewort wie „Dreikäsehoch“ oder „Windel-Rambo“. Schlumpf heißt Schlumpf, ganz in blau, weiße Hose, weiße Haube. Wie aus dem Fernseher. Richtig cool eben. Da betritt man also die Party, nein, man erscheint, lässt sich selbst mal einen Augenblick lang wirken und will dann entspannt weitergehen in Richtung Krapfen-Buffett, und dann kommt Mutter und zieht einem von hinten die Hose hoch, weil das Rip-Unterleiberl rausschaut. Wie uncool ist ein Schlumpf, der sich von seiner Mama das Leiberl richten lässt? Eben.

Wenn wir damit anfangen, wer weiß, was als nächstes kommt! Wir putzen dem schönsten Kind der Welt die Nase. Wir geben ihm ein Bussi. Wir sagen ihm, dass wir es lieb haben. Wir schnuppern an seinem Popo, um zu sehen, ob was drin ist. Wir sagen ihm, dass es eine Haube aufsetzen soll, weil es ist kalt draußen, und wenn es keine Haube aufsetzt, wird es sich verkühlen „und wir kümmern uns dann nicht“!

Verdammt. Alles schon gemacht oder zumindest eingeplant. Aber sicher wird das Kind eine Haube aufsetzen.
Na wenigstens kann ich nicht wie meine Mutter werden. Das kann nur der besten Freundin der Welt passieren…

Verdammt.

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Bravo

Ich habe eigentlich gedacht, dass wir manche Sachen inzwischen überwunden haben, dass das heutzutage einfach keiner mehr macht:

SPÖ wählen, Thunfisch essen, Modern Talking hören, Britney Spears hören, DJ Ötzi hören, Jörg Haider nachtrauern, Castingshows anschauen, über Mario Barth lachen, Frank Stronach für einen Politiker halten, ÖVP wählen, eine lustige Ansage auf seinen AB sprechen, bei der alle glauben sollen, man spricht eh mit ihnen, um sich dann nach einer Minute ganz diebisch zu freuen, dass man nur der AB ist, Sex and the City schauen, Grüne oder FPÖ wählen, nach Ungarn einkaufen fahren, in der heimischen Politik die Unschuld vermuten, ein Wunschkennzeichen beantragen, GIS zahlen, bei der Landung klatschen.

Als ich unlängst in Wien gelandet bin, brach die Hälfte der Passagiere in lauten Applaus aus.
Heißt das jetzt, dass die ganzen anderen Sachen auch wieder kommen? Mit schaudert.

Was mir fehlt

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe das schönste Kind der Welt. Wirklich richtig echt. Aber Durchschlafen war auch schön.

Ich musste übers Wochenende für einen kurzen Job verreisen: Drei Nächte auf Teneriffa, sehr professionell über die Insel cruisen, hoch konzentriert an der Strandbar sitzen, was man bei einem Werbedreh halt so macht. Einen beinharten Knochenjob bei 22 Grad im Schatten.
Aber das wird nicht das Beste sein, dachte ich mir vor der Abreise. Das Beste wird sein, dass ich schlafen werde. Ich werde mich mich nach der abendlichen Team-Besprechung (mit rein dienstlicher Roja-Verkostung) in mein Zimmer zurückziehen und meinen Wecker stellen. In dem Bewusstsein, dass ich ihn brauchen werde, weil das schönste Kind der Welt nicht um Punkt halb sechs zur Stelle ist. Dann werde ich die Augen schließen, ohne mit einem Ohr im Kinderzimmer zu sein. Ich werde einen Traum bis zum Ende durchträumen…

Ich konnte gar nichts. Nicht einschlafen, nicht durchschlafen, und schon gar nicht ausschlafen. Manchmal fehlen einem die seltsamsten Dinge: Ein kleiner Fuß im Bauch, ein kleiner Finger in der Nase, oder eine kleine Stimme, die mir verlässlich sagt,  dass es gerade halb sechs geworden ist.

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Man lässt spazieren

Gestern war ich spazieren. Die beste Freundin der Welt musste was erledigen, das schönste Kind der Welt musste schlafen – also musste ich gehen.

Ich bin früher nie spazieren gegangen. Ich hab mir gedacht: Entweder man geht wohin, oder man lässt es bleiben. Man geht ja auch nicht um einen Berg herum, sondern auf den Gipfel und wieder zurück. Man geht zum Wirten, zum Auto, ins Bett. Es muss ein Ziel geben. Das nackte Gehen um der Bewegung, der Verdauung oder der frischen Luft Willen hat mich nie gereizt. Bewegung wird oft überbewertet, Verdauen kann ich auch im Liegen und das mit der frischen Luft war in der Grazer Kessel-Lage immer so eine Sache.
Abgesehen davon habe ich unlängst auf Wikipedia folgenden Satz gelesen: „Ein Spazierstock erleichtert und beschwingt das Gehen.“ Eine Tätigkeit, die ausgerechnet von einem Gehstock „beschwingt“ wird, kann nur Mist sein.

Aber das schönste Kind der Welt muss bewegt werden. „So ein Spaziergang tut ihr sicher gut“, heißt es dann von der Oma. Dabei geht das Kind gar nicht spazieren! Es liegt faul, meist sogar schlafend, da und lässt spazieren. Bevorzugt vom Mann, der auch da wohnt, für irgendwas muss er ja gut sein.

Inzwischen habe ich aber einen Kompromiss gefunden, mit dem ich gut leben kann: Spazierengehen an sich ist immer noch Mist. Spazierengehen mit dem schönsten Kind der Welt hat aber jetzt einen Sinn, weil ein Ziel, bekommen. Das Ziel ist, aller Welt meine stolz-geschwellte Vaterbrust zu zeigen. Neidig sollen sie werden. Und noch eine Runde durch den Park.

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Kindische Vorsätze

Am 31.12. reden wir uns die Verfehlungen des letzten Jahres als gute Vorsätze des kommenden Jahres schön. Das schönste Kind der Welt hat sich folgendes vorgenommen:

  • Im Liegen einschlafen.
  • Mama und den Mann, der auch da wohnt, durchschlafen lassen.
  • Wenn der Schnuller aus dem Mund fällt – Ruhe bewahren. Es ist nur ein Schnuller.
  • Die Stimmbänder langsam einsingen, bevor es in die hohen Lagen geht.
  • Einen Pyjama ein Frühstück überleben lassen.
  • Eine Zeitung ein Frühstück überleben lassen.
  • Den anderen Kindern wirklich nur „Ei Ei“ geben.
  • Das nervige Dinosaurier-Geräusch (wie diese kleinen schnellen Biester aus Jurassic Park) abstellen.
  • Wenn Abstellen nicht geht: Mama und dem Mann, der auch da wohnt, wenigstens zehn Sekunden Zeit zum Reagieren lassen, bevor das Dinosaurier-Geräusch kommt.
  • Der Gute-Nacht-Flasche noch eine letzte Chance geben.
  • Den Mann, der auch da wohnt, wieder vom Finger abwickeln.

Wobei zu befürchten ist, dass der letzte Punkt die nächsten paar Jahre auf der Liste bleiben wird.

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