Archiv für den Monat Juni 2012

Der neue Raunzer

Es ist passiert. So lange haben wir geglaubt, das wird nie passieren. Bis es passiert ist. Zkonc hat einen neuen Raunzer. Die Firma mit dem unaussprechlichen Namen, den wir uns nur gemerkt haben, weil ihm dieses unsäglich schrill gefiepte „wannersnuraushaltder“ voran gestellt wurde. Eine Werbe-Ikone meiner Jugend ist nicht mehr. So long, Zgonc-Raunzer.

Im Laufe der Jahre sind einige meiner Jugend-Helden verschwunden. Der stattliche Miele-Mann wurde von einem viel zu netten Miele-Männchen ersetzt. Meister Proper war auf einmal in Zeichentrick. Der große Wert und der kleine Preis sind zu einem Gartenzwerg verschmolzen. Der echte Käpt’n Iglo wurde abberufen. Und was kommt nach? Ein farbloses Sakko, in dem ein ebenso farbloser Rollkragenpullover steckt, in dem ein noch farbloserer Hausverstand steckt. Werbung, quo vadis?

Aber vermutlich ist das der Lauf der Dinge. Da wird man zuerst ein Star, dann ein Held, schließlich eine Ikone, und später wird man einfach alt und ausgetauscht. Sogar die Frau, die im Auftrag der Bawag mit ihrer Familie diese Wiese hinunterlief, lief irgendwann nicht mehr. Der geneigte Leser wird sich an Freiheit erinnern, an die späten 70er, an Lebensfreude, an die Bank seines Vertrauens und vor allem und an Brüste, die völlig BH-befreit mitgelaufen sind. Gut – dass dieser Spot nach gut 20 Jahren keine Neuauflage gefunden hat, ist dem natürlichen Lauf der Dinge zuzuschreiben. Nichts gegen die Bawag-Frau, aber gewisse Sachen gehen halt irgendwann nicht mehr.

Dennoch. Ikonen müssen bleiben. Sonst müssen am Ende sogar Kinder ohne die Gfraster mit den Nimm 2 Zuckerln aufwachsen – unvorstellbar! Bis auf die Familie Putz vom Lutz. Die könnte getrost vom Geparden gefressen werden.

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Manfred

Die Kindernamensuche hatte drei Stunden nach der Geburt ein glückliches Ende gefunden. Und schon machen sich neue Sorgen breit. Im Radio reden sie gerade über die Spitznamen von Fußballern. La Machina heißen die, oder Schweini, oder El Nino, oder Schnitzel. Da überlegt man sich monatelang einen wunderschönen Namen, der weder durch Abkürzung, Anhängen eines „i“ oder Reim-Endungen („Jürgen – würgen“ – Kinder sind da nicht so wählerisch) verhunzt werden kann. Und dann kommt irgendsoein Kindergarten-Prolet daher und denkt sich was völlig unsinniges aus?

Fürchterliche Szenarien gehen mir durch den Kopf. Kinder in der Steiermark, die meine Tochter ob ihres Wiener Wohnortes „Mundl“ rufen. Kinder in Wien, die meine Tochter ob ihrer steirischen Wurzeln „Kernöl“ schimpfen. Kinder, die einfach nur gemein sind und irgendwas erfinden. So, wie es in meiner Jugend der Fall war. Ich war alles von Joachim, über Joki bis hin zu Joghurt. Und dann kam ein Freund daher, der in einem Nebensatz meinte: „Oder wir nennen ihn einfach Manfred“.

Das blieb dann 15 Jahre lang hängen. Inzwischen bin ich aber drüber weg. Meistens halt.

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Plädoyer für Schuhbänder

Ich war ein paar Tage weg. Die Rückkehr war erschreckend! Da wird gibt es immer noch Martin Grafs und bankrotte EU-Länder und deutsche Nationalmannschaften, die wieder nur mit Glück gewinnen. All diese Themen verblassen aber angesichts einer Ungeheuerlichkeit, die mich gerade eben in der U-Bahn förmlich niederstreckte. Ein junger Mann Anfang 20 – und er trug Jeans, Pullover und Schlüpfer.

Ein bekannter Radiomoderator führt seit Jahren einen persönlichen Kleinkrieg gegen Ballerinas. Jene sinnlosen Stückchen Kunststoff, die hierzulande den Damenfuß durch den Sommer tragen. Und wiewohl ich diesen Kampf aus vollem Herzen unterstütze, so muss ich doch erkennen, dass Ballerinas nur das zweithässlichste Stück Schuh-Design sind. Der Männer-Schlüpfer verhält sich zum Ballerina so wie der Industriegürtel rund um Amstetten  zum Ausseerland. Wie ein Ford Taunus zu einem Aston Martin. Wie Gerard Depardieu zu Brad Pitt.

Jetzt gehöre ich zu der Sorte Mensch, für die Schuhe mehr eine Notwendigkeit denn ein Accessoire sind. Wenn ein Paar kaputt geht, kaufe ich mir ein Neues. Ich bin also nicht geradezu ein Richtungsweiser in Sachen Mode. Dennoch weiß ich, was schiach ist und was nicht. Diese von Boss-Anzügen getragenen, geradezu clownesk spitzen Schuhe sind schiach. Diese von ledrigen Triathleten getragenen, neonfarbenen Laufschuhe sind schiach. Aber im Gegensatz zu diesen Ballerinas für den Mann haben sie Schuhbänder.

Was keine Schuhbänder hat, ist kein Schuh. Es ist ein Patschen. Und Patschen tragen wir zu Hause.

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