Archiv für den Monat April 2012

Katzen sind fad

Was haben wir nicht alles gehört über dieses Stück. Eine magische Reise, eine Verzauberung, Millionen Menschen weltweit sind der Faszination erlegen, was die Schauspieler alles leisten, besser geht es nicht. Dementsprechend groß waren meine Erwartungen, als ich gestern in Cats war. Und irgendwie konnte mich der Abend nicht so richtig begeistern. Ich will mich bemühen, dem geneigten Leser einen chronologischen Ablauf des Abends wiederzugeben.

Wir betreten ein großes schwarzes Zelt. Wir kaufen Süßigkeiten zu absonderlichen Preisen. Wir suchen einige Minuten lang nach unseren Plätzen. Die Lüftung hinter uns übertönt die gut tausend Zuseher locker. Eine Hammond-Orgel beginnt zu spielen, sie setzt sich manchmal sogar gegen die Lüftung durch. Katzen singen ein Lied über Katzen. Darin geht es um die Eigenschaften von Katzen, die, soweit ich es trotz der Lüftung verstehe, sehr unterschiedlich sein können. Manche sind so, andere so. Die meisten sind rechte Lauser und machen viele Späße. Die Lüftung überbrückt die Pause. Eine Katze singt ein Lied über eine andere Katze, welche ebenfalls ein rechter Lauser ist. Die Lüftung begleitet den Applaus. Eine weitere Katze singt ein Lied. Die Lüftung singt mit. Katzen tanzen zur Hammond-Orgel. Lüftung. Alte Katzen, junge Katzen, alle rechte Lauser, sie machen gerne Späße, die Hammond-Orgel freut sich, die Lüftung ebenso. Pause. Im Foyer stehen wir neben der Lüftung. Zweiter Teil. Katzen als siamesische Piraten verkleidet, keiner weiß warum, außer vielleicht die Lüftung. Der Anflug einer echten Melodie erklingt, wird aber von der Lüftung sofort abgewürgt, wo kommen wir denn da hin. Katzen singen, Lüftung, Katzen tanzen, Lüftung, Hammond-Orgel, Katzen sind rechte Lauser, Lüftung, eine Katze ist schon alt, Lüftung, eine Katze singt ein sehr schönes Lied, an dessen dramatischem Höhepunkt sich die LÜFTUNG meldet, am Schluss sagt eine Katze den schönen Satz: „Jetzt wissen sie, wie wir Katzen sind.“ Bis hierher haben wir zwei Stunden gebraucht.

Seit dem Schlussapplaus frage ich mich, was genau ich nicht mochte. Vielleicht waren es die Katzen an sich. Vielleicht hat der blöde Kater meiner Mutter mich nachhaltig zum Antifeloiden gemacht und mich so um den Zauber dieses Musicals gebracht. Vielleicht ist die Hammond-Orgel schuld, die in irgendeiner Ur-Besetzung im fernen New York sicher einmal ein vollwertiges Streichorchester war. Vielleicht war es die Lüftung – die aber eigentlich nur ihre Arbeit verrichtet hat. (Und zwar mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht.) Oder es war die Tatsache, dass die Teile des Textes, die ich trotz der Lüftung verstanden habe, völlig ohne Inhalt, Spannung oder Pointe auskommen mussten.

Trotzdem war der Abend kein kompletter Reinfall, immerhin habe ich drei Dinge über mich gelernt. Ich mag keine Hammond-Orgeln. Ich mag keine Lüftungen. Und Katzen find ich einfach nur fad.

Stadt ohne Strudel

Vor kurzem musste ich einen Apfelstrudel fotografieren. Keine Aufgabe, die sich mir täglich stellt, nicht damit sie auf falsche Gedanken kommen. Der Tagesablauf eines Kabarettisten besteht NICHT aus Aufstehen, Zähneputzen, Fernsehen, Apfelstrudel fotografieren, Witze schreiben, Auftritt. Ich kann mich auch nicht erinnern, bis zu diesem Zeitpunkt jemals einen Apfelstrudel fotografiert zu haben, das war schon Neuland für mich. Ich brauchte das Foto für eine Kolumne, es ging in dem Text eigentlich um Wissenschaft und dann erst in zweiter Linie um Apfelstrudel, aber auch nicht wirklich um Apfelstrudel, sondern mehr um die Rosinen, die so oft… Ich schweife ab. Belassen wir es dabei, dass ich ein Foto von einem Apfelstrudel mit Rosinen brauchte. Ohne es zu wissen, kam ich dabei einem fast schon existenziellen Problem unseres schönen Landes auf die Spur. Es gibt keinen Apfelstrudel mehr.

Ich legte Kamera, Teller und Motivation bereit und machte mich auf den Weg zum Supermarkt ums Eck, um den Modell-Strudel zu besorgen. Keiner da. Also nicht einmal „gerade nicht da“, „leider heute aus“, „ohjederHerrvorIhnenhatgeradedasletzteStück“, sondern gar keiner da. Kein Apfelstrudel im Geschäft, nicht jetzt und auch sonst nie. Die selben (oder die gleichen? wen schert’s) Antworten in zwei weiteren Supermärkten. Die nächst liegende Bäckerei sollte doch so was vertreiben, war ich mir sicher, aber nein! Bäckerei ohne Strudel. Nächste Bäckerei auch und wieder und wieder. Plunder hätten wir. Kipferl, Tarte mit oder ohne Streusel, auf Bio- und normalem Boden, mit Bio- oder normalen Äpfeln, Taschen, Kuchen, Küchlein und Schnitten. Nur kein Strudel.

Wie kann das sein? Weiß das außer mir noch jemand? Wenn nein, warum hat es noch niemand bemerkt? Wenn ja, warum tut keiner was dagegen? Wie kann in Wien, in der Hauptstadt der Mehlspeis, der Strudel ausgehen? Die ureigenste Erfindung der Wiener, die sie vermutlich aus der böhmischen, tschechischen oder sonst einer Küche geklaut haben! Was geht als nächstes aus? Der Grant? Das Ur? Der Wein im Rathaus? Das Kernöl in der Steiermark? Die Nationalen in Kärnten? Das CH in Tirol?

Die Angst um die Heimat sitzt tief. Ich schlucke sie runter, mit einem New York Cheesecake von Starbucks.

Genug

Die Fastenzeit ist vorbei. Endlich. Ich war echt brav. Kein Alkohol und keine Naschereien. Natürlich gab es Ausnahmen, wie zum Beispiel diese:

Das lang überfällige Essen mit alten Freunden, als es zum Aperitif Prosecco gab.

Das lang überfällige Essen mit alten Freunden, als es zur Vorspeise Karamell gab.

Das lang überfällige Essen mit alten Freunden, als es zum Nachtisch Eis gab.

Ja, das war ein schönes Essen.

Der Geburtstag meiner lieben Freundin, als ich auf ihr Wohl anstieß.

Das Wiedersehen mit einem Freund nach langer Zeit, als wir auf unser gemeinsames Wohl anstießen.

Der Abend voller Frust, der nur mit einer Handvoll Merci gerettet werden konnte.

Der eine wirklich schwere Einkauf, als ich mich für den Heimweg mit einem Duplo stärken musste.

Der Überraschungsbesuch bei meiner Mutter, die für alle Fälle immer ein paar Krapfen daheim hat und sonst beleidigt gewesen wäre.

Der geneigte Leser sieht also ein, dass ich mir das Osterwochenende redlich verdient hatte. Inklusive der leichten Übelkeit, die gerade am Abklingen ist. Das schönste an Ostern ist übrigens, dass jetzt bald die Grillsaison beginnt!